Lebensmittelbeh├Ârde macht sich der Verbrauchert├Ąuschung schuldig

Die Scheinargumente der Europ├Ąischen Lebensmittel-Zulassungsbeh├Ârde (European Food Safety Authority, EFSA)

EFSA ignoriert Risiken und macht sich der Verbrauchert├Ąuschung schuldig

Die EFSA will das in Frankreich durchgesetzte Verbot des Anbaus von Mais der Sorte Mon810 f├╝r ung├╝ltig erkl├Ąren. Begr├╝ndet wird dies so: >>Deshalb wurden keine besonderen wissenschaftlichen Erkenntnisse im Zusammenhang mit den Risiken f├╝r die Gesundheit von Mensch und Tier und f├╝r die Umwelt vorgelegt, die die Geltendmachung einer Schutzklausel gem├Ą├č Artikel 23 der Richtlinie 2001/18/EG sowie einer Sofortma├čnahme gem├Ą├č Artikel 34 der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 rechtfertigen w├╝rde. <<

Schauen wir uns das mal genauer an.

Zitat von der Seite der EFSA:

>>Zusammenfassung  Am 9. Februar 2008 unterrichtete Frankreich die Europ├Ąische Kommission ├╝ber eine Verordnung zur Aussetzung des Anbaus von aus der genetisch ver├Ąnderten Maislinie MON810 gewonnenen Saatsorten sowie ├╝ber eine gem├Ą├č Artikel 23 der Richtlinie 2001/18/EG geltend gemachte Schutzma├čnahme zum vorl├Ąufigen Untersagen des Anbaus der zugelassenen Maissorte MON810 in seinem Hoheitsgebiet. Die Europ├Ąische Kommission wurde au├čerdem am 20. Februar 2008 ├╝ber eine ├änderung der Verordnung unterrichtet. Zwischenzeitlich legte Frankreich der Europ├Ąischen Kommission am 13. Februar 2008 eine Mitteilung mit dem Titel "Sofortma├čnahme" gem├Ą├č Artikel 34 der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 vor. In diesem Zusammenhang ging bei der Europ├Ąischen Kommission ein schriftlicher Antrag von Frankreich mit verschiedenen Begleitdokumenten ein. 

Am 27. Februar 2008 ersuchte die Europ├Ąische Kommission das Wissenschaftliche Gremium f├╝r genetisch ver├Ąnderte Organismen (GMO-Gremium) der Europ├Ąischen Beh├Ârde f├╝r Lebensmittelsicherheit, das Dokumentenpaket zur Unterst├╝tzung und Rechtfertigung der franz├Âsischen Schutzklausel und der Dauer der geltend gemachten Ma├čnahme zu bewerten. 

Nach der Bewertung des von Frankreich zur Unterst├╝tzung seiner Schutzklausel vorgelegten Informationspakets und unter Ber├╝cksichtigung aller zweckdienlichen Ver├Âffentlichungen zum Thema kommt das GMO-Gremium zu dem Ergebnis, dass das vorgelegte Informationspaket im Zusammenhang mit den Risiken f├╝r die Gesundheit von Mensch und Tier und f├╝r die Umwelt keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse enth├Ąlt, die die fr├╝heren Risikobewertungen von Mais MON810 entkr├Ąften w├╝rden. Deshalb wurden keine besonderen wissenschaftlichen Erkenntnisse im Zusammenhang mit den Risiken f├╝r die Gesundheit von Mensch und Tier und f├╝r die Umwelt vorgelegt, die die Geltendmachung einer Schutzklausel gem├Ą├č Artikel 23 der Richtlinie 2001/18/EG sowie einer Sofortma├čnahme gem├Ą├č Artikel 34 der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 rechtfertigen w├╝rde.    

Ver├Âffentlichungsdatum: 31 Oktober 2008<<
(Quelle: http://www.efsa.europa.eu/EFSA/efsa_locale-1178620753824_1211902156394.htm)

Wenn man sich die M├╝he macht und nicht nur die Zusammenfassung, sondern das urspr├╝ngliche Dokument (s. u.) liest, st├Â├čt man darauf, dass hier Scheinargumente vorgebracht werden und der Verbraucher get├Ąuscht wird.

Bedeutsam ist z.B. die Aussage >> ... kommt das GMO-Gremium zu dem Ergebnis, dass das vorgelegte Informationspaket im Zusammenhang mit den Risiken f├╝r die Gesundheit von Mensch und Tier und f├╝r die Umwelt keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse enth├Ąlt, die die fr├╝heren Risikobewertungen von Mais MON810 entkr├Ąften w├╝rden. ... <<.

Liest man das urspr├╝ngliche Dokument, so stellt man ├╝berrascht fest, dass einige wesentliche Aspekte von der Bewertung von vornherein ausgeschlossen wurden:
>> ... The use and risk assessment of pesticides on conventional maize and any beneficial and socio-economic aspects related to the cultivation of maize MON810 fall outside the remit of the GMO Panel, and therefore these aspects are not addressed in this scientific opinion. Similarly, ethical concerns related to GM crops, concerns about the coexistence of maize cropping systems, and the definition of tolerance thresholds for the unintentional or technically unavoidable presence of approved GM material in non-GM crop products are not taken into account by the GMO Panel.

In relation to "biovigilance", the GMO Panel wishes to clarify that it gives its opinion on the scientific quality of post-market environmental monitoring activities proposed by applicants, whilst its final endorsement is done by risk managers.  <<


Zu Deutsch: >>Der Gebrauch und das Risikomanagement von Pestiziden von konventionellem Mais ebenso wie zus├Ątzliche sozio-├Âkonomische Aspekte bezogen auf den Anbau von Mon810 fallen au├čerhalb des Auftrags des GMO Panel und daher werden diese Aspekte in dieser wissenschaftlichen Stellungnahme nicht ber├╝cksichtigt. Ebenso ethische Bedenken bezogen auf gentechnisch ver├Ąnderte Ackerfr├╝chte, Bedenken bez├╝gliche der Koexistenz von Maisanbau-Systemen und die Definition der Toleranzgrenzen f├╝r unbeabsichtigte oder technisch unvermeidbare Verunreinigungen von zugelassenem gentechnisch ver├Ąndertem Material in gentechnikfreien Produkten, all dies wird vom GMO Panel nicht ber├╝cksichtigt.

Im Bezug auf "Biosicherheit" m├Âchte das GMO Panel klarstellen, dass es seine Meinung ├Ąu├čert zur wissenschaftlichen Qualit├Ąt der von den Anwendern vorgeschlagenen Umweltmonitoring-Aktivit├Ąten nach der In-Verkehr-Bringung, w├Ąhrend die endg├╝ltige Entscheidung von Risikomanagern gef├Ąllt wird.<<


Also mit anderen Worten: Alles, was nachteilige Auswirkungen f├╝r den gentechnikfreien Anbau, den Verbraucherschutz, den Pestizideinsatz oder die Koexistenz zwischen gentechnikfrei und genver├Ąndert betrifft, wird von vornherein ausgeblendet!
Trotzdem oder vielmehr gerade deswegen kommt die EFSA dann zu dem Schluss, >>dass keine neuen wissenschaftlichen Befunde vorliegen, die ein Verbot von Mon810 rechtfertigen w├╝rden<<.

Ja wo leben wir denn? Geht's noch? Wenn jeder sich seine Randbedingungen so zurechtdefiniert, dass Dinge, die ihm nicht ins Konzept passen, keine Rolle mehr spielen, kann ich nat├╝rlich gerne behaupten, >>dass die von Ihnen vorgelegten Daten keine neuen wissenschaftlichen Befunde enthalten ...<<.
Ver├Âffentlicht wird in der Presse nat├╝rlich nur die Zusammenfassung mit eben dieser Behauptung. Dass man vorher alle relevanten Befunde als au├čerhalb der eigenen Zust├Ąndigkeit definiert hat, steht da nicht mehr drin.
DAS IST DIE EIGENTLICHE L├ťGE. DEM LESER WIRD SO VORGEGAUKELT, ES G├äBE KEINE RELEVANTE BEFUNDE, W├äHREND MAN NUR ALLE RELEVANTEN BEFUNDE ALS AU├čERHALB DER EIGENEN ZUST├äNDIGKEIT DEFINIERT HAT.

Mir stellt sich da die Frage nach dem Sinn der EFSA. Ist das die Marketing-Abteilung von Monsanto & Co? Im ├╝brigen befasst sich das GMO Panel ja nur mit der >>wissenschaftlichen Qualit├Ąt der von den Anwendern vorgeschlagenen Umweltmonitoring-Aktivit├Ąten nach der In-Verkehr-Bringung<<. Mit anderen Worten: Es geht in keiner Weise um Risiko-Management im Vorfeld, also vor der Freisetzung, sondern nur um begleitende Studien nach der In-Verkehr-Bringung. Also reines Marketing.


Zur Erl├Ąuterung:
Die EFSA ist eigentlich die Beh├Ârde zur Einsch├Ątzung von Risiken bei Lebensmitteln. Ihre Selbstdarstellung lautet folgenderma├čen:
Europ├Ąische Beh├Ârde f├╝r Lebensmittelsicherheit (EFSA)

Die Europ├Ąische Beh├Ârde f├╝r Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit der Grundpfeiler der Risikobewertung der Europ├Ąischen Union (EU). In enger Zusammenarbeit mit nationalen Beh├Ârden und offenem Austausch mit betroffenen Interessengruppen stellt die EFSA unabh├Ąngige wissenschaftliche Beratung zur Verf├╝gung und kommuniziert deutlich und verst├Ąndlich ├╝ber vorhandene und aufkommende Risiken.
(Quelle: http://www.efsa.europa.eu/EFSA/efsa_locale-1178620753824_home.htm,  [Hervorhebungen von mir] )

Wenn die EFSA sich f├╝r ihre Einsch├Ątzungen auf die Beurteilung durch das GMO Panel verl├Ąsst, das wiederum alle relevanten Befunde als au├čerhalb ihrer Zust├Ąndigkeit definiert und nur die >>wissenschaftlichen Qualit├Ąt der von den Anwendern vorgeschlagenen Umweltmonitoring-Aktivit├Ąten nach der In-Verkehr-Bringung<< beurteilt und das Risikomanagement dabei explizit ausschlie├čt, hat deren Aussage keinerlei Relevanz f├╝r die eigentlichen Risiken. Sie dient ausschlie├člich der Verbrauchert├Ąuschung, weil man jetzt immer die "Expertise" oder vielmehr die Zusammenfassung davon vor sich hertragen kann und behaupten kann, >>dass das vorgelegte Informationspaket im Zusammenhang mit den Risiken f├╝r die Gesundheit von Mensch und Tier und f├╝r die Umwelt keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse enth├Ąlt, die die fr├╝heren Risikobewertungen von Mais MON810 entkr├Ąften w├╝rden<<.
Das ist Verbrauchert├Ąuschung, weil behauptet wird, man h├Ątte eine Risikoabsch├Ątzung gemacht, w├Ąhrend in Wirklichkeit nichts davon passiert ist! Das einzige, was beurteilt wurde, sind die von Monsanto & Co eingereichten Unterlagen im Bezug auf "ihre wissenschaftliche Qualit├Ąt" - was auch immer das hei├čen mag.

Wenn das GMO Panel nicht die Marketing-Abteilung von Monsanto & Co w├Ąre und sich auch mit den Fragen der Koexistenz, der Auskreuzung usw. besch├Ąftigen w├╝rde, m├╝ssten sie zu ganz anderen Aussagen kommen!

Daher muss man fordern, dass das GMO Panel geschlossen wird und eine UMFASSENDE Beurteilung von UNABH├äNGIGEN Fachleuten vorgenommen wird - und nicht nur die "wissenschaftliche Qualit├Ąt" der Monsanto-Unterlagen!

Diethelm Schneider, ├ľkologie-Forum.de

Quellen:
Gutachten: http://www.efsa.europa.eu/EFSA/Scientific_Opinion/gmo_op_ej850_French_safeguard_clause_on_MON810_maize_en,2.pdf?ssbinary=true

Hier finden Sie den Beitrag als RTF-Datei: EFSA.rtf

Empfohlene Links (extern):

Am 20.11.2008 von Diethelm Schneider verfasst.