Die Gentechnik-Industrie lässt es sich was kosten

Unter dem Titel "Gentechnologie macht die Erde zwar nicht größer, aber ertragreicher" hat die Chemie-Industrie (Logo: "CHEMIE MACHT ZUKUNFT") am Freitag, den 1.6.07 eine ganzseitige Anzeige im General-Anzeiger geschaltet.
Den Originaltext und meine Analyse finden Sie hier.

Der Originaltext:

"Der Direktor am Max-Planck-Institut f√ľr Z√ľchtungsforschung Prof. Dr. Heinz Saedler zu den Chancen der Pflanzenbiotechnologie

>>Gentechnologie macht die Erde zwar nicht größer, aber ertragreicher<<

Professor Heinz Saedler, die Erhaltung der Pflanzenvielfalt ist ein zentrales Anliegen vieler Menschen. F√ľr Sie als Biologe auch?
Das Bed√ľrfnis nach Vielfalt scheint tief in uns verankert zu sein. Auch ich sehe in jeder Pflanze einen Mitbewohner dieser Welt, f√ľr den ich Verantwortung trage. Deshalb kann ich bestens nachvollziehen, wenn sich jemand f√ľr den Schutz der biologischen Vielfalt einsetzt und sei es lediglich in seinem eigenen Garten.

Welche wissenschaftlichen Gr√ľnde sprechen f√ľr die Erhaltung der Artenvielfalt?
Gemeinschaften mit vielen verschiedenen Mitgliedern sind besonders stabil. Das komplexe Zusammenspiel der Pflanzen untereinander macht solche Lebensr√§ume aber auch anf√§llig. Wenn beispielsweise im tropischen Regenwald ein Gro√üteil der B√§ume gerodet wird, bricht das lokale √Ėkosystem zusammen und es entsteht in kurzer Zeit eine Ein√∂de.

Mit globalen Auswirkungen?
Ein wichtiger Nutzen der Artenvielfalt f√ľr unsere Welt ist die Pufferwirkung, die f√ľr Gleichgewicht sorgt, speziell in Bezug auf Emissionen. So spielt der tropische Regenwald von jeher eine bedeutende Rolle im CO₂-Kreislauf, wie √ľbrigens Ozeane und andere √Ėkosysteme auch, die viel Kohlendioxid binden. Wenn wir solche Pufferzonen zerst√∂ren, schie√üen wir ein Eigentor. Dann ist das Ungleichgewicht auf unserem Planeten mit all seinen Folgen vorprogrammiert.

Was können wir tun?
Im Laufe der Evolution verschwinden und entstehen immer wieder Arten. Damit wir diese Dynamik erhalten k√∂nnen, m√ľssen wir zuerst herausfinden, wie Artenvielfalt √ľberhaupt funktioniert, was Arten sind, wie ihr Verbreitungspotenzial ist und wie neue Arten entstehen. Diese Fragen geraten zunehmend in den Mittelpunkt der Molekularbiologie und sind eine gro√üe wissenschaftliche Herausforderung.

In der Schule haben wir gelernt, dass man unter einer biologischen Art eine Gruppe von Individuen versteht, die untereinander genetische Informationen austauschen und sich so fortpflanzen können. Was ist daran unklar?
Wenn ein Gen-Austausch zwischen zwei Individuen verschiedener Arten √ľberhaupt zu Nachkommen f√ľhrt, sind diese in der Regel nicht fruchtbar. Ein Paradebeispiel ist das Maultier, eine Kreuzung zwischen einer Pferdestute und einem Eselhengst. Es sind in der Natur aber Ausnahmen von dieser Regel entdeckt worden. Etwa bei den von klassischen Botanikern beschriebenen 75 Physalis-Arten, der Lampionblume, deren laternenf√∂rmige Fr√ľchte heute gerne als Tischdekoration verwendet werden. Zwischen einigen dieser Arten f√ľhrt Gen-Austausch zu fruchtbaren Nachkommen, die somit neue Arten darstellen k√∂nnten.

Diesen Mechanismus erforschen Sie auf der molekularen Ebene?
Ja, wobei wir erst am Anfang stehen. Evolutionsbiologie verlangt einen interdisziplinären Ansatz und man benötigt das ganze molekularbiologische Repertoire wie Gen-Isolierung, Gen-Diagnostik oder Gen-Übertragung.

Wie läuft beispielsweise eine Gen-Übertragung im Labor ab?
Zuerst isolieren wir das Gen, das wir √ľbertragen wollen. Dann schleusen wir es mithilfe sogenannter Gen-F√§hren in den neuen Wirt ein. Als Gen-F√§hren verwenden wir zum Beispiel Bakterien. Man entfernt ein Gen des Bakteriums und ersetzt es durch das zu √ľbertragende Gen. Dieses neue Gen bildet dann in der Wirtspflanze ein bestimmtes Merkmal aus. Auf diese Weise hat man den sogenannten Bt-Mais entwickelt, der viel widerstandsf√§higer gegen Sch√§dlinge wie die Raupen des Maisz√ľnslers ist, die sonst gro√üe Ernteausf√§lle verursachen.

Sehen Sie schon konkrete Anwendungen, wenn man die Artengrenzen besser versteht?
Wir k√∂nnen zum Beispiel in unsere Nutzpflanzen deren wilde Vorfahren einkreuzen. Damit wird die Vielfalt bereits vergr√∂√üert. Das grunds√§tzliche Problem auf unserem Globus ist jedoch die Beschr√§nktheit der Ressourcen. Die landwirtschaftlich nutzbare Fl√§che nimmt ab, w√§hrend die zu ern√§hrende Weltbev√∂lkerung zunimmt. Wenn wir f√ľr die Vielfalt der Arten wichtige Lebensr√§ume erhalten wollen, m√ľssen wir ertragreichere Nutzpflanzen entwickeln und die Hektar-Ertr√§ge erheblich steigern. Hier sind Wissenschaft wie Politik gefordert.

Inwiefern unterscheidet sich eigentlich die seit Jahrhunderten betriebene konventionelle Pflanzenz√ľchtung von der gentechnischen?
In der klassischen Z√ľchtung wird genetisches Material sexuell und meistens innerhalb einer Pflanzenart √ľbertragen. Durch die Anwendung der Gentechnik lassen sich Artenbarrieren generell √ľberschreiten. Aber auch die klassische Z√ľchtung profitiert von dieser Technologie. Mithilfe der Gen-Diagnostik kann zum Beispiel ein Z√ľchter die Selektionsdauer f√ľr ein gew√ľnschtes Merkmal verk√ľrzen. Fr√ľher brauchte es eine jahrelange Auslese in Nachfolgegenerationen, bis etwa eine einzige ertragreichere Weizensorte gefunden wurde.

Wo sonst profitieren wir von der Gentechnik?
Ein weites Spektrum an Nutzpotenzial er√∂ffnet sich uns in der Medizin. Zum Beispiel durch Reis mit erh√∂htem Gehalt an Provitamin A, um der Erblindung als Mangelerkrankung vorzubeugen. Mit Gentechnik k√∂nnen wir aber Pflanzen auch dazu verwenden, Arzneiwirkstoffe herzustellen. Und f√ľr die Industrie k√∂nnen energieschonende Rohstoffe produziert werden, etwa bestimmte St√§rkeformen zur Herstellung von Papier und Klebstoffen.

Was f√ľr eine Rolle spielt Deutschland in diesen Forschungsbereichen?
Mehr als zehn Jahre lang geh√∂rten wir zur Topliga. Wir entwickelten grundlegende Technologien, die zu Patenten f√ľhrten und weltweit eingesetzt werden. Der Bruch kam in den 90er-Jahren. Die damals erlassenen Gesetze zwangen mich und die meisten meiner Kollegen zu einem R√ľckzug in die reine Grundlagenforschung. Nun erarbeiten wir nach wie vor Wissen, aber wir k√∂nnen es hier in Deutschland weder in Anwendungen noch in Arbeitspl√§tze umsetzen.

Was muss sich ändern?
Wenn Innovationen in diesem Land erw√ľnscht ist, m√ľssen die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass Innovationen auch bei uns machbar sind. Chancen sind da, damit sie genutzt werden. Uns am Institut f√ľr Z√ľchtungsforschung zum Beispiel trifft fundamental die restriktive Genehmigungspraxis f√ľr Freilandversuche. Das hindert uns daran, Testpflanzen zu entwickeln, dank derer die Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Genen viel genauer untersucht werden k√∂nnen.

Verstellt die Diskussion √ľber Nachteile von gentechnisch ver√§nderten Pflanzen den Blick auf die Vorteile?
Das zeigt sich am vorhin erw√§hnten Bt-Mais. Da diese Sorte den Maisz√ľnsler abwehrt, ist sie viel weniger mit dem Pilzgift belastet, denn durch die Bisswunden der Raupen dringen immer auch gef√§hrliche Schimmelpilze in die Pflanze ein. Eines dieser Pilzgifte ist das Fumonisin. Es ruft Fehlgeburten und Missbildungen an Kleinkindern hervor. In den Entwicklungsl√§ndern wie etwa Guatemala ist die Fehlgeburtenrate 20-mal gr√∂√üer als in den USA. Dort k√∂nnte Bt-Mais also segensreich wirken. Solche erheblichen Vorteile gentechnisch ver√§nderter Pflanzen sind allgemein zu wenig bekannt."

So, jetzt werden wir den Text sezieren. Sie werden sehen: Das, was dann noch an stichhaltigen Argumenten √ľbrig bleibt, ist ziemlich erb√§rmlich. Die Chemie-Industrie wird ein teures Eigentor geschossen haben, und Prof. Saedler hat seine Reputation f√ľr eine lausige Anzeige aufs Spiel gesetzt.
Aber der Reihe nach.
  1. Die Frage, inwiefern ihm selber die Erhaltung der Artenvielfalt wichtig sei, beantwortet er mit dem Hinweis auf ein offenbar psychologisch verankertes allgemeines "Bed√ľrfnis nach Vielfalt", das befriedigt werden muss. (Moment, was ist Herr Saedler von Beruf? Psychologe?) Gleich darauf zeigt er daher Verst√§ndnis, wenn jemand diesen Trieb befriedigen muss - "und sei es lediglich im eigenen Garten". Es reicht also, wenn man den Querulanten die M√∂glichkeit gibt, im Garten zu arbeiten, um sie ruhig zu stellen.

  2. Die wissenschaftlichen Gr√ľnde f√ľr den Erhalt der Artenvielfalt beantwortet er mit einem technischen Aspekt des √Ėkosystems 'Tropischer Regenwald'. Dabei schafft er es, in einem Zug gegenteilige Aussagen zu machen: "Gemeinschaften mit vielen verschiedenen Mitgliedern sind besonders stabil. Das komplexe Zusammenspiel der Pflanzen macht solche Lebensr√§ume auch anf√§llig." Wie jetzt, stabil oder anf√§llig?

    Dann kommt der brillante Satz: "Wenn beispielsweise im tropischen Regenwald ein Gro√üteil der B√§ume gerodet wird, bricht das lokale √Ėkosystem zusammen und es entsteht in kurzer Zeit Ein√∂de." Das ist eine ganz neue Erkenntnis, dass die Zerst√∂rung des Gro√üteils eines √Ėkosystems das "lokale" √Ėkosystem zusammenbrechen l√§sst! Darauf w√§ren wir nicht gekommen!

  3. Dann kommt er auf die Pufferwirkung des Tropischen Regenwaldes f√ľr den CO₂-Kreislauf zu sprechen. Das ist ein rein technischer Aspekt, der mit Artenvielfalt noch nichts zu tun hat.  Sehr pr√§zise sind die Aussagen zu den Folgen der Abholzung aber auch nicht: "Wenn wir solche Pufferzonen zerst√∂ren, schie√üen wir ein Eigentor. Dann ist das Ungleichgewicht auf unserem Planeten mit all seinen Folgen vorprogrammiert." Au√üerdem: Gegen die Abholzung der Regenw√§lder sind wir doch schlie√ülich alle, oder? Also wieder eine wohlfeile Aussage ohne Bezug zur urspr√ľnglich gestellten Frage.

  4. Die naheliegende Frage nach der Erw√§hnung der Abholzung der Tropen ("Was k√∂nnen wir tun?") wird mit dem Hinweis auf die Evolution beantwortet: "Im Laufe der Evolution verschwinden und entstehen immer wieder Arten. Damit wir diese Dynamik erhalten k√∂nnen, m√ľssen wir zuerst herausfinden, wie Artenvielfalt √ľberhaupt funktioniert, was Arten sind, wie ihr Verbreitungspotenzial ist und wie neue Arten entstehen. Diese Fragen geraten zunehmend in den Mittelpunkt der Molekularbiologie und sind eine gro√üe wissenschaftliche Herausforderung."
    Ah ja, also wenn wir Politik machen wollen, m√ľssen wir also bei Adam und Eva anfangen. Oder um ein Buch schreiben zu k√∂nnen erst eine wissenschaftliche Untersuchung zur Entstehung der Schrift anfertigen.

    Aber wir k√∂nnen Herrn Saedler einen hilfreichen Hinweis geben: Wenn er ausgewiesene √Ėkologen befragt, werden sie ihm etwas √ľber Arten, Verbreitungs-potenziale und √§hnliches erz√§hlen k√∂nnen. Er muss also nicht mehr alles selber herausfinden.

  5. Bei der  Frage, was an der Art-Definition unklar ist, reduziert er die Art-Definition auf "Gen-Austausch mit fruchtbaren Nachkommen". Das ist falsch. Zu einer Art geh√∂ren morphologisch √§hnliche Individuen einer Population, die sich unter Freilandbedingungen freiwillig paaren und fruchtbare Nachkommen zeugen.
    Die Festlegung auf Untersuchungen √ľber "Gen-Austausch mit fruchtbaren Nachkommen" spricht daf√ľr, dass Herr Saedler offenbar an Terminator-Pflanzen (Hybridpflanzen mit Terminator-Genen, die zwar Riesenfr√ľchte bilden, die aber nicht weiter vermehrt werden k√∂nnen, weil Terminator-Gene dies verhindern) forscht.

  6. Jetzt ist Herr Saedler bei seinem eigentlichen Thema, der Molekularbiologie.

  7. Und schon ist er beim Bt-Mais. "Auf diese Weise hat man den sogenannten Bt-Mais entwickelt, der viel widerstandsf√§higer gegen Sch√§dlinge wie die Raupen des Maisz√ľnslers ist, die sonst gro√üe Ernteausf√§lle verursachen."
    Dem Mais wird ein bakterielles Gift eingepflanzt, dass Raupen zum Absterben bringt, wenn Sie es fressen, und - oh Wunder - das Gift wirkt. Sehr diffus bleibt die Aussage "die sonst gro√üe Ernteausf√§lle verursachen". Wof√ľr steht "sonst"? F√ľr Nicht-Bt-Mais? F√ľr Nicht-Bt-Mais im industriellen Anbau? Gibt es bei Bt-Mais keine Ausf√§lle? Das w√§re eine Falschaussage.

  8. Aber es kommt noch besser. Die Frage nach konkreten Anwendungen, wenn man  die Artengrenzen besser versteht, beantwortet er folgenderma√üen: "Wir k√∂nnen zum Beispiel in unsere Nutzpflanzen deren wilde Vorfahren einkreuzen. Damit wird die Vielfalt bereits vergr√∂√üert."
    Hallo?? Wilde Vorfahren in Feldfr√ľchte einkreuzen k√∂nnen wir heute schon, ganz ohne Gentechnik! Und Herr Saedler gibt damit zu, dass viele Hochleistungs-Sorten offensichtlich genetisch sehr verarmt sind (daf√ľr wurden sie ja getrimmt). Das ist wieder ein Argument f√ľr den Erhalt alter Frucht-, Saatgut- und Tierrassen! Und gegen die Industrielle Landwirtschaft.

    Dann kommt der √Ėkologe zu Wort: "Das grunds√§tzliche Problem auf unserem Globus ist jedoch die Beschr√§nktheit der Ressourcen. Die landwirtschaftlich nutzbare Fl√§che nimmt ab, w√§hrend die zu ern√§hrende Weltbev√∂lkerung zunimmt. Wenn wir f√ľr die Vielfalt der Arten wichtige Lebensr√§ume erhalten wollen, m√ľssen wir ertragreichere Nutzpflanzen entwickeln und die Hektar-Ertr√§ge erheblich steigern. Hier sind Wissenschaft wie Politik gefordert."
    Leider ist Herr Saedler unzureichend informiert. Der Hauptgrund f√ľr den Verlust landwirtschaftlich nutzbarer Fl√§chen ist die √úbernutzung, das hei√üt die nicht standortgerechte und nicht nachhaltige Nutzung. Das Problem mit Gen-Mais l√∂sen zu wollen, ist gelinde gesagt Schwachsinn. F√ľr die meistbetroffenen L√§nder der Dritten Welt ist Mais (egal ob traditionell oder Gen-Mais) nicht die an die dortigen B√∂den und Klimata bestangepasste Pflanze, und es macht auch keinen Sinn, Geld in 10-oder 20-j√§hrige Forschung zu stecken, bis man den Mais so weit hat. Denn die Probleme m√ľssen heute gel√∂st werden. Und es gibt an Boden und Klima angepasste Pflanzen, es muss darum gehen, mit diesen Pflanzen eine Landwirt-schaft zu gestalten, die eine Sicherung des Bodens und des Wasser-haushaltes langfristig gew√§hrleistet. Allerdings lassen sich f√ľr Pharma-Firmen damit nat√ľrlich keine Ums√§tze generieren, weshalb sie gern aller Welt einreden, nur die Gentechnik k√∂nnte die Hungerprobleme der Welt l√∂sen. Wenn man sich allerdings die Situation der Landwirte in den USA (die klimatisch beg√ľnstigt sind) und den Umgang der Pharma-Firmen mit den Landwirten dort ansieht, stellt sich das Heilsversprechen in ganz anderem Licht dar.

    Und noch eins scheint Herrn Saedler nicht bewusst zu sein: Mit leistungsf√§higeren Pflanzen den Ertrag steigern zu wollen, funktioniert nur so lange, wie es keine limitierenden Faktoren gibt. Wenn aber (zumindest zeitweise) Wassermangel besteht oder der Boden nicht gen√ľgend Mineralien oder Stickstoff enth√§lt, wird die vermeintliche Leistungsf√§higkeit dieser Pflanzen nie zum Zuge kommen. Man kann zahlungskr√§ftigen Kunden zwar noch Stickstoff dazu verkaufen, m√ľsste dann aber auch das n√∂tige Wasser bereitstellen. Solange auch nur ein zum optimalen Wachstum ben√∂tigter Stoff nicht im optimalen Verh√§ltnis zur Verf√ľgung steht, wird die Leistungsf√§higkeit dieser Pflanzen nie ausgenutzt werden k√∂nnen. Und Wasser stellt bekannterma√üen gerade in den Dritte-Welt-L√§ndern einen Mangelfaktor dar.

  9. Zum Unterschied zwischen konventioneller Pflanzenz√ľchtung und gentechnischer Pflanzenz√ľchtung m√∂chte ich nur auf meinen Artikel unter dem Punkt 'Zusammenh√§nge' verweisen.

  10. Die weitere Argumentation soll uns wieder die Gentechnik als Lösung der Menschheitsprobleme verkaufen.
    Statt Gen-Reis mit erh√∂htem Provitamin-A-Gehalt gegen Erblindung als Mangelkrankheit anzupreisen sollte man daf√ľr sorgen, dass sowohl die jeweilige Landwirtschaft lokal angepasst und vielseitig als auch die Ern√§hrung der Bev√∂lkerung ausgewogen und abwechslungsreich erfolgt.
    Die Verlagerung der Medikamentenproduktion in die Landwirtschaft spart zwar der Chemie Kosten, bringt aber gewaltige Probleme, weil durch die Einbringung von Medikamenten in die Umwelt sehr schnell resistente Mikroben entstehen, durch die √ľbliche Medikamente wirkungslos werden und immer h√∂here Dosierungen bzw. ganz neue Antibiotika erforderlich machen.
    Auch die Produktion von Chemie-Rohstoffen auf dem Acker hat nur f√ľr die Chemie Vorteile.

  11. Nachdem sich Herr Saedler auf ziemlich vielen Gebieten als sehr wenig informiert geoutet hat, wirkt seine Selbstdarstellung und seine Rolle in der Forschung ebenso l√§cherlich wie sein Gejammer √ľber die jetzige Situation und seine Forderungen nach mehr Freilandversuchen.

  12. Am Schluss l√§uft Herr Saedler noch mal zu H√∂chstform auf und bringt Sachen zusammen, die nichts miteinander zu tun haben: "Das zeigt sich am vorhin erw√§hnten Bt-Mais. Da diese Sorte den Maisz√ľnsler abwehrt, ist sie viel weniger mit Pilzgiften belastet, denn durch die Bisswunden der Raupen dringen immer auch gef√§hrliche Schimmelpilze in die Pflanze ein. Eines dieser Pilzgifte ist das Fumonisin. Es ruft Fehlgeburten und Missbildungen an Kleinkindern hervor. In Entwicklungsl√§ndern wie etwa Guatemala ist die Fehlgeburtenrate 20-mal gr√∂√üer als in den USA. Dort k√∂nnte Bt-Mais also segensreich wirken. Solche erheblichen Vorteile gentechnisch ver√§nderter Pflanzen sind allgemein zu wenig bekannt."
    Einmal hätte ich da gerne Zahlen zur Pilzbelastung von Nicht-Bt-Mais versus Bt-Mais.
    Wir lernen, dass Fumonisin ein Pilzgift ist, das Fehlgeburten hervorruft.
    Dann lernen wir, dass in Guatemala die Fehlgeburtenrate 20-mal höher ist als in den USA.
    Wenn Bt-Mais die L√∂sung des Problems sein soll, folgt daraus f√ľr den Leser logisch, dass die Guatemalteken sich momentan ausschlie√ülich von Nicht-Bt-Mais ern√§hren, der mit Fumonisin vergiftet ist und daher die hohe Fehlgeburtenrate verursacht. UND DAS SOLLEN WIR GLAUBEN??? Herr Professor Saedler, wo arbeiten Sie? Bei der Zeitung mit den gro√üen Buchstaben? Wie bitte? Direktor beim Max-Planck-Institut f√ľr Z√ľchtungsforschung?

  13. Kommen wir noch auf das Logo:
    "CHEMIE MACHT ZUKUNFT"
    Man kann das so lesen, wie es wahrscheinlich auch gew√ľnscht ist: Chemie macht Zukunft.
    Vielleicht sagt es aber mehr √ľber die Beweggr√ľnde der Herausgeber aus, als diesen lieb ist. Man kann es n√§mlich auch so lesen:
    Chemie, Macht, Zukunft

Am 24.06.2007 von Diethelm Schneider verfasst.