Nationalpark Siebengebirge

Aus Anlass der aktuellen Diskussionen um die Umwandlung des Siebengebirges in einen Nationalpark m├Âchte ich hier wieder einen Leserbrief zitieren.
Darin wird der fachliche und rechtliche Hintergrund von Nationalpark-Recht zusammengefasst und die Probleme angerissen, die man sich mit einer Umwidmung schafft.

Biosph├Ąrenreservat w├Ąre eine Perspektive

Nationalpark Siebengebirge

Auch wenn es sich bei den Verfechtern des Nationalparks Siebengebirge um honorable Mitglieder der lokalpolitischen Elite handelt, muss man ihnen bei ihrem Vorhaben bemerkenswerte Realit├Ątsferne bescheinigen. Bemerkenswert sind Behauptungen: "Der ├╝berwiegende Teil ist in einem von Menschen nicht beeinflussten Zustand."? Nach Aussagen des Leiters der Forschungsstelle f├╝r Wildschadensforschung, Dr. Petrak, zieht sich jeder Wanderweg als ein St├Ârungskorridor von 200 Meter Breite durch das Siebengebirge. 100 Meter links und rechts des Weges habe das Wild keine Ruhe vom Menschen. Angesichts des dichten Wegenetzes gibt es, nimmt man dies als Tatsache, keinen einzigen Fleck im ganzen Naturschutzgebiet, der nicht aktuell menschlich beeinflusst wird. "Weitgehend unzerschnitten" ist eine Fiktion.
Und die ganzen hochgelobten Biotope? Kein einziges davon hat nat├╝rlichen Ursprung. Seit der R├Âmerzeit wurde jeder Quadratmeter im Siebengebirge f├╝r Forst, Jagd, Bergbau, Steinbr├╝che, Burgenbau, Landwirtschaft, Stra├čen, Raketenabschussrampen (jawohl, auch das: die VI flog vom "Auge Gottes"), Hotelbauten und so weiter immer wieder umgeformt und vom Menschen gestaltet. Eidechsen leben auf Abraumhalden, Wanderfalken in Steinbr├╝chen und Flederm├Ąuse in Bergwerksstollen. Keiner der wertvollen Lebensr├Ąume kann ohne st├Ąndige pflegende Eingriffe auch nur wenige Jahre in einem schutzw├╝rdigen Zustand gehalten werden. Keiner der geologischen Aufschl├╝sse w├Ąre ohne regelm├Ą├čige Freistellung im Gel├Ąnde erkennbar.
Insofern ist das Siebengebirge in seiner Gesamtheit ein Denkmal menschlicher Nutzungsgeschichte und sollte als solches erhalten werden. Dazu liefert das Naturschutzrecht das Instrument des Biosph├Ąrenreservats. Hier l├Ąge eine sinnvolle Zukunftsperspektive f├╝r das Siebengebirge. Im Projektgebiet "Kulturlandschaft Heisterbacher Tal" hat man sie erfolgreich und f├╝r Besucher attraktiv angedacht. Ein Nationalpark mit seinen rigiden Vorstellungen von naturgem├Ą├čer Entwicklung w├Ąre genauso das Ende dieses Vorhabens wie aller traditionellen und neueren Tourismusveranstaltungen: Sieben auf einen Streich, L├Âwenburglauf, Rheinstein-Extremlauf w├Ąren im Nationalpark schwerlich genehmigungsf├Ąhig. Das alles kann denjenigen, die vom touristischen Erfolg des Nationalparks tr├Ąumen, nicht verborgen geblieben sein.

 Wolfgang Kehren, Bonn

Quelle: Leserbrief im General-Anzeiger Bonn vom 16./17. Juni 2007

Inzwischen haben sich immer wieder Leute zu Wort gemeldet. Einige wenige Leserbriefe will ich hier noch zitieren, weil dabei neue Aspekte zur Sprache kommen:

├ťberm├Ą├čiger Schutz nutzt niemandem

Holz ist mittlerweile ein knappes Gut in Deutschland.

Naturpark Siebengebirge

Bei der Diskussion um das Thema Naturpark Siebengebirge halte ich zwei Themenkomplexe f├╝r bemerkenswert. Zum Einen soll durch die Schaffung eines Naturparks eine gr├Â├čere Zahl an Menschen als bisher zur Nutzung des Siebengebirges animiert werden. Schon jetzt kommt es immer wieder zu Diskussionen zwischen Fu├čg├Ąngern, Mountainbikern und Reitern, die sich die selben Wege teilen. Dar├╝ber hinaus hat man erst unl├Ąngst die Kletterer aus dem Siebengebirge verbannt. Im Winter kommt es bei Rodelwetter regelm├Ą├čig zum Verkehrschaos an der Margarethenh├Âhe, was vor allem den Rettungskr├Ąften zu schaffen macht.
Die Umwandlung des Naturschutzgebietes in einen Naturpark schr├Ąnkt die Zahl der nutzbaren Fl├Ąchen und Wege noch weiter ein.
Wie also sollen noch mehr Menschen auf noch weniger Raum die Natur genie├čen k├Ânnen?

Der andere Aspekt ist die Nutzung regenerativer Energien. Sowohl der Bund, als auch einige Bundesl├Ąnder - darunter auch Nordrhein-Westfalen - f├Ârdern in gro├čem Stil die Nutzung regenerativer Energien, darunter auch Holz.
Derzeit wird der Baumbestand des Siebengebirges im Rahmen des Naturschutzes moderat einbezogen.
Rund um den Naturpark Eifel kommt es schon jetzt zu Engp├Ąssen bei Kaminholz, so dass der Bedarf an Holz aus immer gr├Â├čeren Entfernungen herangefahren wird. Ich selber habe im letzten Jahr erlebt, wie ein H├Ąndler die letzten 800 Festmeter Holz aus dem Siebengebirge f├╝r die Voreifel aufgekauft hat. Woher soll in Zukunft das Holz f├╝r den Einzugsbereich des Siebengebirges herkommen? Wollen wir es "umweltfreundlich├« aus dem Rest der Republik herfahren lassen, weil wir die B├Ąume vor unserer Haut├╝r nicht antasten wollen?

Mein Appell an alle an der Entscheidung Beteiligten: Machen Sie aus dem Siebengebirge im Rahmen des bestehenden Naturschutzgebietes ein Naherholungsgebiet mit Angeboten, die auch wirklich mehr Menschen in die Region ziehen.
Lassen Sie uns das Siebengebirge gemeinsam - mit aller gebotenen R├╝cksicht - nutzen. Ein ├╝berm├Ą├čiger Schutz nutzt niemandem.
Johann Schulz, Bad Honnef
Quelle: Leserbrief im General-Anzeiger Bonn vom 18.08.07.

Ein weiterer Leserbrief, der als Reaktion auf einen am Tag davor erschienen Leserbrief ver├Âffentlicht wurde, scheint mir noch ein weiteres erhellendes Licht auf die Motive zu werfen:

Es droht Steinschlaggefahr am Stenzelberg

Leserbrief zu "Normative Kraft des Faktischenî von Claus Scherschel am 28. September
Schade, dass Scherschel zu den Leuten z├Ąhlt, die nicht nach dem Telefon greifen, um sich zu informieren, sondern schreiben ohne Fakten zu kennen. Er hat Recht, dass es am Stenzelberg nur eine Stelle gibt mit Steinschlaggefahr.
Und wenige Schritte entfernt ist durch Steinschlag jemand schwer verletzt worden und musste durch einen Feuerwehreinsatz m├╝hsam geborgen werden.
Als ich kurze Zeit sp├Ąter aus dem gleichen Felsband einen weiteren Felsausbruch bemerkte, der hunderte von Kilo Gestein genau auf den Weg fallen lie├č, habe ich die zust├Ąndigen Stellen informiert.
Wir sollten den Forstbeh├Ârden danken, dass diese den Wegesicherungspflichten schnell und umfassend nachgekommen sind und somit weitere Verletzte verhindern wollen. Auch in den Alpen werden die Wege mit akuter Steinschlaggefahr gesperrt oder verlegt.
Ich w├╝nsche sehr, dass der attraktive Weg um den Stenzelberg bald wieder frei gegeben wird. Aber dazu muss der Fels fachm├Ąnnisch gepr├╝ft werden, und das kostet Geld.
Bei einem Nationalpark w├Ąre das vorhanden, der Weg l├Ąngst wieder begehbar. Und hiermit werfe ich in die Nationalparkdebatte die These, dass mittelfristig mehr Wege aus Geldmangel beim jetzigen Status geschossen werden m├╝ssen. F├╝r die n├Ąhere Zukunft arbeitet ein umfassend besetzter Arbeitskreis an einem Wegekonzept, das wir sowohl f├╝r den National- als auch f├╝r den Naturpark ben├Âtigen. Klar sein muss allen, dass zus├Ątzliche Wege, die ebenfalls in der Diskussion sind, auch f├╝r Reiter, oder gar ein Mountainbike-Trail Geld kosten. F├╝r einen Naturpark gibt es keine ├Âffentlichen Gelder mehr, f├╝r einen Nationalpark reichlich.
Zur Klarstellung: Ich bef├╝rworte eine erneute Klettergenehmigung f├╝r den Stenzelberg in vern├╝nftigem Umfang und f├╝hre bei meinen gef├╝hrten Wanderungen haupts├Ąchlich auf kleinen Pfaden, die ganz sicher nicht zumeist geschlossen werden.
Reiner Rechmann, Landschaftswart im Siebengebirge

Quelle: Leserbrief im Generalanzeiger vom 29.09.07.

Bemerkenswert finde ich die Stelle
"Klar sein muss allen, dass zus├Ątzliche Wege, die ebenfalls in der Diskussion sind, auch f├╝r Reiter, oder gar ein Mountainbike-Trail Geld kosten. F├╝r einen Naturpark gibt es keine ├Âffentlichen Gelder mehr, f├╝r einen Nationalpark reichlich."
Dies bedeutet im Klartext, dass Politiker den mit dem Naturschutzgebiet Siebengebirge verantwortlich befassten Personen offenbar signalisiert haben, dass sie nicht bereit sind, f├╝r den Naturschutz bzw. das Naturschutzgebiet Geld auszugeben, dass sie aber offenbar T├Âpfe aufgetan haben, aus denen Geld f├╝r einen Nationalpark flie├čen k├Ânnte.
Das bedeutet aber auch, dass die vielfach in der ├ľffentlichkeit beschworenen Argumente f├╝r den besseren Schutz der Natur nur vorgeschoben sind, um die Umwidmung irgendwie zu rechtfertigen.

Es wird interessant sein zu erfahren, welche Geldt├Âpfe die Politiker dabei im Blick haben, bzw. welche Interessen damit gef├Ârdert werden.

Weiterhin aufschlussreich erscheint mir, was LANUV NRW unter www.naturschutz-fachinformationssysteme-nrw.de zum Ennertaufstieg sagt:

Ennertaufstieg

Der Siebengebirgsraum weist im Zuge verschiedener Landesstra├čen erhebliche verkehrliche Probleme auf. Es besteht regionaler Konsens, dass insbesondere der starke Durchgangsverkehr zu erheblichen Belastungen sowohl f├╝r die Anwohner als auch f├╝r Natur und Landschaft f├╝hrt und Ma├čnahmen zur Entlastung notwendig sind. Die konkrete Ausgestaltung m├Âglicher Entlastungsma├čnahmen ist Bestandteil derzeit laufender Untersuchungen und politisch gewollter Abstimmungen im Rahmen der Verkehrsentwicklungsplanung in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis.

F├╝r den Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn bedeutet die grunds├Ątzliche regionale Zustimmung zur Ausweisung des Siebengebirges als Nationalpark nicht den Verzicht auf eine leistungsf├Ąhige Verkehrsl├Âsung, die zu einer echten Entlastung der Anwohner und der nat├╝rlichen Lebensr├Ąume f├╝hrt und eine ungest├Ârte Entwicklung der nat├╝rlichen Dynamik dieser Lebensr├Ąume erm├Âglicht, wie es gesetzlich gefordert ist.

Die Ausweisung eines Nationalparks im Siebengebirge darf einer L├Âsung der Verkehrsprobleme nicht entgegenstehen.
 Die Verkehrsplanung sollte jedoch nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Einrichtung eines Nationalparks diskutiert werden.

Besonders verr├Ąterisch ist der letzte Absatz:
"Die Ausweisung eines Nationalparks im Siebengebirge darf einer L├Âsung der Verkehrsprobleme nicht entgegenstehen.
 Die Verkehrsplanung sollte jedoch nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Einrichtung eines Nationalparks diskutiert werden."
Es sieht so aus, als solle die Umwidmung zum Nationalpark als T├╝r├Âffner daf├╝r dienen, dass man den Ennertaufstieg doch noch angehen kann.
Interessant ist auch, dass in dem fix und fertigen Entwurf die Unverzichtbarkeit der Fl├Ąchen von Bad Honnef betont und ihre Festlegung zur Nutzung als Ausgleichskonto f├╝r Eingriffe vorgenommen wird.
Hier zeigen sich einmal mehr die eigentlich wirtschaftlichen Interessen, f├╝r die man Naturschutzargumente missbraucht.
Naturschutzfachlich bringt die Umwidmung dem Naturschutzgebiet Siebengebirge keine Vorteile.

Ich m├Âchte an dieser Stelle auch auf die Kommentare verweisen.

Inzwischen best├Ątigen sich meine Einsch├Ątzungen. Folgender Leserbrief war heute, 4.12.07, im General-Anzeiger Bonn:
Ein Nationalpark hat schon viele Freunde. Der Landesumweltminister kann seine Naturschutz-Fl├Ąchenstatistik aufpolieren, ein Staatssekret├Ąr bekommt ein nettes Geburtstagsgeschenk zur Pensionierung, der Landrat und die B├╝rgermeister freuen sich ├╝ber st├Ąrkere Touristenstr├Âme und der designierte Tr├Ągerverein ├╝ber die Sanierung seiner maroden Finanzen. So ist klar, dass politisch schon alles beschlossen ist: Wir pr├╝fen noch, aber der Nationalpark kommt, wird als Parole ausgegeben. Alle wissen nat├╝rlich, dass aus fachlicher Sicht ein solcher Nationalpark nur auf dem Prinzip Hoffnung gr├╝nden kann. Das nennt man in Deutschland Entwicklungsnationalpark, denn internationale Vorgaben hinsichtlich der Fl├Ąchennutzung (genauer: Nicht-Nutzung) werden nicht erf├╝llt. Damit sich der k├╝nftige Nationalpark Siebengebirge so richtig entwickeln kann, helfen die F├Ârster derzeit kr├Ąftig mit. Nicht nur, dass die Erntemaschinen ("Harvester") metertiefe Fahrspuren in den Waldboden pfl├╝gen, der Wald wird noch rechtzeitig zu Geld gemacht: ├ťber 150-j├Ąhrige Eichen und Buchen fallen derzeit um den ├ľlberg, um die Kassen derjenigen zu f├╝llen, die sp├Ąter gerade solche wichtigen Altholzbest├Ąnde pflegen und erhalten sollen. Genau diese St├Ąmme w├Ąren zwar f├╝r den Naturschutz im k├╝nftigen Nationalpark wertvoll, aber sie sind es eben leider auch f├╝r die Landesfinanzen. Das Tafelsilber des Siebengebirges kann demn├Ąchst ├Âffentlich ersteigert werden. Es f├Ąllt nat├╝rlich sp├Ąter leichter, zu Nationalpark-Zeiten wertvolle Laubholzbest├Ąnde aus der Nutzung zu nehmen, wenn sie zuvor schon abgeerntet wurden; wie diese Fl├Ąchen dann aussehen, ist wohl zweitrangig. Und der Versch├Ânerungsverein? Er rechtfertigt Abholzaktionen mit der Verkehrssicherungspflicht; sieht man sich die Lage der Baumst├╝mpfe an, muss diese Pflicht offenbar auch 50 Meter abseits der Wege erf├╝llt werden. Wenn dann noch der Vorsitzende dieser Vereinigung allen Ernstes behauptet, die Tierwelt im Siebengebirge k├Ąme auch mit kleinen Fl├Ąchen zurecht, sollte sp├Ątestens jetzt deutlich werden, dass man f├╝r die Betreuung dieses Gebietes den Bock zum G├Ąrtner auserkoren hat. Auch ja, der Naturschutz: Der Appell des Deutschen Naturschutz-Ringes, einen Nationalpark nur dort einzurichten, wo er auch Sinn macht - also nicht im Siebengebirge - wird geflissentlich ignoriert. Naturschutz ist in der Region anscheinend nur als Etikett zum Geldverdienen gefragt.

Lilli Haupt, Bonn
Siehe dazu auch unter 'Kommentieren'.

Am Schluss sei noch einmal ein Fachmann zitiert:
Es ist zu hoffen,dass das nordrhein-westf├Ąlische Umweltministerium die Bedenken der Naturschutzverb├Ąnde nach dem Protest von Volker Hoffmann endlich ernst nimmt. Jetzt, wie in einer ersten Reaktion aus D├╝sseldorf angek├╝ndigt, "Kn├Âllchen" an Wanderer abseits von Wegen zu verteilen, greift aber viel zu kurz. Alleine schon deshalb, weil 20 bis 30 Ranger kaum elf Quadratkilometer Nationalpark (NLP) kontrollieren k├Ânnen! Das Hauptproblem ist der generelle Konstruktionsfehler des NLP Eifel und seiner Gremien.
Dort haben die ├Ârtlichen B├╝rgermeister gegen├╝ber den Fachleuten der Umweltbeh├Ârden und Naturschutzverb├Ąnde die Mehrheit, obwohl die meisten dieser Herren immer noch nicht verstanden haben, dass ein NLP die strengste Schutzkategorie im deutschen Naturschutzrecht ist, und nicht mit einem - ├╝berwiegend der Erholung dienenden - Naturpark (NRP) wie dem "Naturpark Nordeifel" verwechselt werden darf. So wurden "demokratisch" sogar solche Wegeplanungen durchgewunken, die selbst nach Auffassung der Landesanstalt f├╝r ├ľkologie naturschutzfachlich nicht zu verantworten waren.
Als langj├Ąhriger Vertreter des Naturschutzbundes Deutschland in der sogenannten Nationalpark-Arbeitsgruppe kann ich ein Lied davon singen und habe gro├čes Verst├Ąndnis und Respekt vor Volker Hoffmanns Entscheidung!
Bleibt zu hoffen, dass die Landesregierung diese von den anerkannten Naturschutzverb├Ąnden NABU, BUND, und LNU wiederholt vorgebrachte Kritik endlich ernst nimmt und beim geplanten NLP Siebengebirge solche "Konstruktionsfehler" von Anfang an vermeidet. Wo "Nationalpark" drauf steht, muss auch "Nationalpark" drin sein, alles andere w├Ąre billiger Etikettenschwindel, mit dem Deutschland beziehungsweise Nordrhein-Westfalen sich auch international unglaubw├╝rdig macht, gerade im Vorfeld der UN-Naturschutzkonferenz im Mai 2008 in Bonn!

Claus Mayr,
NABU Aachen
Quelle: Leserbrief im General-Anzeiger Bonn vom 21.02.2008

Hintergrundinformationen zur erw├Ąhnten Entscheidung von Volker Hoffman:
http://www.az-web.de/
(http://www.az-web.de/sixcms/detail.php?template=az_detail
&id=424430&_wo=News:Topnews
&_g=Nationalpark-Initiator-fuehlt-sich-verraten, ohne Zeilenumbr├╝che)
sowie
http://www.bund-nrw.de/pm062008_volker_hoffmann.htm

Nicht wegen seiner Kompetenz, sondern weil es viel ├╝ber die wirklichen Ziele verr├Ąt, m├Âchte ich hier - in der chronologischen Folge - ein Interview mit einem Bef├╝rworter eines 'Nationalpark Siebengebirge' zitieren:

"Das ist ein Jahrhundertwerk"

Interview Landrat Frithjof K├╝hn zur Drohung von Bonns OB zum Ausstieg aus dem Nationalpark-Projekt, zur S├╝dtangente und B├╝rger-Kritik sowie zu den Finanzproblemen des Versch├Ânerungsvereins f├╝r das Siebengebirge

Bonn/Rhein-Sieg-Kreis. Das Siebengebirge soll zum Nationalpark werden. Der anf├Ąnglichen Begeisterung vor allem bei den Politikern ist Ern├╝chterung gewichen. Nicht, weil man den Nationalpark nicht mehr haben will, sondern wegen teils massiver Proteste durch B├╝rger. Hinzu kommt der erste politische Streit zwischen Bonn und den betreffenden Kreiskommunen. ÔÇ╣ber diese und andere Probleme sprach mit Landrat Frithjof K├╝hn (CDU) Wolfgang Wentsch.

GA: Bonns Oberb├╝rgermeisterin B├Ąrbel Dieckmann (SPD) droht mit dem Ausstieg aus dem Projekt Nationalpark Siebengebirge, weil sie in der Rahmenvereinbarung der Kommunen K├Ânigswinter und Bad Honnef hinter den Forderungen nach einer Verkehrsentlastung des Siebengebirges die von Bonner Seite abgelehnte S├╝dtangente vermutet. Hat sie recht?
K├╝hn: Nein, das sieht sie nicht richtig. Die jetzt erarbeiteten Rahmenbedingungen haben nur einen Entwurfs- und keinen verbindlichen Charakter, denn sie sind nur die Grundlagen f├╝r den Grundsatzbeschluss. Erst danach wird das f├Ârmliche Verfahren zur Gr├╝ndung eines Nationalparks vom Land eingeleitet. Alle Kommunen behalten sich vor, erst nach Abschluss dieses f├Ârmlichen Verfahrens eine endg├╝ltige Entscheidung zu treffen.

GA: Was raten Sie der OB?
K├╝hn: Ich habe ihr mitgeteilt, dass die Vertreter aller Kommunen, auch von Bonn, von Anfang an gesagt haben, mit dem Gedanken Nationalpark ist keine bestimmte Verkehrsl├Âsung, insbesondere keine L├Âsung der gro├čr├Ąumigen Verkehrsprobleme, pr├Ąjudiziert. Das gilt auch f├╝r die bereits seit 2003 nicht mehr im Bundesverkehrswegeplan befindliche S├╝dtangente. Ich habe ihr angeboten, gemeinsam mit den B├╝rgermeistern von K├Ânigswinter und Bad Honnef in einem Gespr├Ąch festzulegen, dass es in der Verkehrsfrage keine Pr├Ąjudiz gibt.

GA: Sie sind auch ein Bef├╝rworter einer Verkehrsentlastung. Geht das auch ohne S├╝dtangente, also eine Verbindung von der A3 zur Bonner S├╝dbr├╝cke?
K├╝hn: Im jetzigen Stand des Verfahrens d├╝rfen wir uns in der Verkehrsfrage nicht auf eine bestimmte L├Âsung festlegen. Im Auftrag des Bundes erfolgt ja eine gesamtwirtschaftliche Verkehrsuntersuchung, die der Landesbetrieb Stra├čenbau NRW durchf├╝hrt. Was da am Ende rauskommt, k├Ânnen wir heute nicht sagen. Ich hoffe aber, dass hier Konsens herrscht, dass in der Region Ma├čnahmen zur weiteren Verkehrsentlastung notwendig sind.

GA: Sie haben immer gesagt, die Verkehrsprobleme, die der Siebengebirgs-Tourismus verursacht, m├╝ssen gel├Âst werden. Die notwendige Entlastung d├╝rfe aber nicht als Vorbedingung f├╝r den Nationalpark gefordert werden. Bleiben Sie dabei?
K├╝hn: Im Prinzip ja, man darf aber nicht verkennen, dass mit dem Nationalpark-Gedanken nat├╝rlich auch verbunden ist, dass im Verkehr etwas geschieht. Das ist notwendig, um Besucher zu lenken, das gilt f├╝r Park & Ride Pl├Ątze wie f├╝r den ├Âffentlichen Personennahverkehr. Au├čerdem muss man dar├╝ber nachdenken, wie man den Verkehr st├Ąrker um das Siebengebirge herum lenken kann. Ich erwarte, dass das in Auftrag gegebene Verkehrsgutachten neue Erkenntnisse f├╝r die Entlastung des Siebengebirges liefert.

GA: Das Siebengebirge ist bereits Naturschutzgebiet. Was ├Ąndert sich, wenn es Nationalpark wird?
K├╝hn: Naturschutz ist sicherlich ein n├╝tzliches Instrument, um einen nat├╝rlich erhaltenen Raum zu sch├╝tzen. Ein Nationalpark ist eine Vision, eine Idee gerade f├╝r sp├Ątere Generationen. Das ist ein Jahrhundertwerk. Es geht darum, junge Menschen an die Natur heranzuf├╝hren, Umweltbildung zu betreiben. Der Nationalpark ist ein Projekt, f├╝r das man Jahre braucht, um die Entwicklung in die gew├╝nschte Richtung zu lenken.

GA: Mit welchen Einschr├Ąnkungen m├╝ssen B├╝rger rechnen?
K├╝hn: Sie m├╝ssen mit den Einschr├Ąnkungen rechnen, die der Naturschutz jetzt schon enth├Ąlt. Man kann sogar sagen, dass wir versuchen, die teils komplizierten Vorschriften des Naturschutzes einfacher und verst├Ąndlicher zu machen. Und wenn es darum geht, das eine oder andere Kerngebiet zu sch├╝tzen, kann es sein, dass ein Weg eingezogen wird. Aber daf├╝r wird dem Besucher eine Alternative geboten. Und es wird immer dabei bleiben, dass die Besucher immer die M├Âglichkeit haben, besonders schutzw├╝rdige und besonders sehenswerte Gebiete auch zu besuchen und zu erleben.

GA: Kritiker behaupten, das Wegenetz werde durch den Nationalpark derart reduziert, dass es die Spazierg├Ąngermassen nicht mehr bew├Ąltigt.
K├╝hn: Dazu wird es auf gar keinen Fall kommen, denn das Siebengebirge hat ein gro├čes und gro├čz├╝giges Wegenetz. Das l├Ąsst sich nur in begrenztem Umfang reduzieren. Wir m├╝ssen aber daf├╝r sorgen, dass ein solches Wegenetz so unterhalten wird, dass es nutzbar bleibt. Damit sind ja auch Kosten verbunden. Wir m├╝ssen den Besuchern auch einen gewissen Komfort beiten, sie m├╝ssen sich orientieren k├Ânnen, dazu geh├Âren Informationen und F├╝hrungen. Und ein vern├╝nftiges und gut ausgebautes Wegesystem. Und ganz wichtig sind Aussichtspunkte.

GA: Stimmt es, dass die Region schon deshalb den Nationalpark ben├Âtigt, weil der Schutz des Siebengebirges ohne die angek├╝ndigten Landesmillionen nicht mehr finanziert werden kann?
K├╝hn: Der VVS, der unglaublich viel leistet und sich gut entwickelt hat, ist ein ehrenamtlicher Verein, der die Entwicklung auf Dauer nicht mehr steuern kann. Er hat ein sehr begrenztes Finanzbudget und wird deshalb nicht in der Lage sein, den Naturpark Siebengebirge so zu managen und zu unterhalten, wie man sich das auf Dauer w├╝nscht. Der Nationalpark ist eine M├Âglichkeit, mit Unterst├╝tzung des Landes die Dinge zu tun, die auch getan werden m├╝ssen.

GA: Was passiert, wenn es keinen Nationalpark gibt?
K├╝hn: Ich w├╝rde den Gedanken nie fallen lassen. Ich werde alles tun, das Siebengebirge zu einem Nationalpark weiter zu entwickeln, weil es sich wirklich lohnt und f├╝r k├╝nftige Generationen notwendig ist, dass wir es tun.

GA: Wie geht es weiter?
K├╝hn: Ich hoffe, dass die Beratungen in Bad Honnef, K├Ânigswinter und in Bonn m├Âglichst bald mit einem positiven Ergebnis zum Abschluss kommen. Es w├Ąre nicht richtig, da Zeitdruck auszu├╝ben. Wenn da oder dort Fragen oder Probleme auftauchen, dann m├╝ssen die ausdiskutiert werden. Wenn die Beschl├╝sse da sind, dann ist das Land am Zug, dann wird das sogenannte f├Ârmliche Verfahren eingeleitet. Aber ich wei├č, dass es im Land eine sehr positive Haltung zum Nationalpark gibt.
Quelle: General-Anzeige Bonn vom 14. M├Ąrz 2008, Hervorhebungen von mir.

An dieser Stelle meinen Ausdr├╝cklichen Dank an Herrn Wentsch.

Jetzt zur Analyse:
Die Frage nach der Verbindung der Nationalpark-Planung und einer S├╝dtangente wird von Herrn K├╝hn gar nicht geleugnet. Es wird nur darauf verwiesen, dass der jetzige Entwurf noch keinen Gesetzes-Charakter hat. F├╝r wie bl├Âd h├Ąlt er den B├╝rger eigentlich? Wo doch jeder wei├č, dass Entw├╝rfe die Ausgangsbasis f├╝r die sp├Ąteren Gesetze sind.
Auch seine Aussage, dass es keine Pr├Ąjudiz in der Verkehrsfrage gibt, hei├čt ja nur, dass das nirgends als Gesetz festgeschrieben ist. Man kann sich aber leicht ausrechnen, dass wenn Bonn solchen Formulierungen jetzt zustimmt, sp├Ąter eine Klage dagegen schwierig wird, weil es dann hei├čt: Ja warum klagen sie jetzt? Sie waren doch an der Formulierung beteiligt?

Dass Herr K├╝hn ein Bef├╝rworter einer S├╝dtangente ist, geht trotz wachsweicher Formulierungen aus seinen Aussagen hervor.

Nun zur Gretchenfrage des Naturschutzes:
Zitat Frithjof K├╝hn: "Wir versuchen, die teils komplizierten Vorschriften des Naturschutzes einfacher und verst├Ąndlicher zu machen. Und wenn es darum geht, das eine oder andere Kerngebiet zu sch├╝tzen, kann es sein, dass ein Weg eingezogen wird. Aber daf├╝r wird dem Besucher eine Alternative geboten. Und es wird immer dabei bleiben, dass die Besucher immer die M├Âglichkeit haben, besonders schutzw├╝rdige und besonders sehenswerte Gebiete auch zu besuchen und zu erleben."
Herr K├╝hn geh├Ârt offenbar zu den Politikern, die immer noch keine Ahnung haben, was Sinn und Zweck eines Nationalparks ist. Ein ungebremster Tourismus ist es NICHT!
Die Rechnung einiger Politiker, f├╝r ein Geschenk an die Parteifreunde in Bad Honnef die ├ľffentlichkeit einzuspannen und den Schutz der Flora und Fauna im Rahmen einer neuen Gesetzgebung f├╝r den Nationalpark so zu verw├Ąssern, dass dem Tourismus keinerlei Grenzen mehr gesetzt sind, darf nicht aufgehen!
Solange ein 'Nationalpark' nicht so angelegt wird, dass er die gesetzlichen Vorgaben auch erf├╝llt, sondern eigentlich der Abschaffung bzw. der Verw├Ąsserung der gesetzlichen Vorgaben, die heute f├╝r das Naturschutzgebiet gelten, dient, ist er abzulehnen.


Durch Anfragen von Frau Renate Hendricks (SPD) und Anfragen von Herrn Johannes Remmel (Gr├╝ne) an die Landesregierung wissen wir inzwischen, dass meine Einsch├Ątzung richtig war: Es wird vom Land keine zus├Ątzlichen Stellen (├╝ber die Unterbringung der beamteten F├Ârster hinaus) und keine zus├Ątzlichen Gelder (├╝ber die Besoldung der beamteten F├Ârster und die zur Pflege des Staastwaldes als Teil des Naturschutzgebietes hinaus) f├╝r den Nationalpark geben.
Das hei├čt, die in Aussicht gestellten 3 Millionen "Investitionen" in den Nationalpark sind in Wahrheit nur umdeklarierte Gelder, die auch unabh├Ąngig vom Nationalpark ausgegeben w├╝rden.

Auch die von interessierter Seite anfangs gestreute Behauptung, der Vorschlag zur Einrichtung eines Nationalpark Siebengebirge sei von der Landesregierung NRW eingebracht worden, stellt sich als Unwahrheit heraus, wie wir dem Interview mit NRW-Umweltminister Uhlenberg im GA entnehmen k├Ânnen:

"Von Abtauchen kann keine Rede sein"

CDU-Landesvize Eckhard Uhlenberg ├╝ber Nordrhein-Westfalen in der Krise, den Umweltschutz und das Siebengebirge

[...]
GA: Zum Nationalpark Siebengebirge: Es gibt immer noch viel Kritik. Wie wollen Sie die B├╝rger ├╝berzeugen?

Uhlenberg: Die Idee, den Nationalpark einzurichten, kam ja nicht von mir, sondern aus der Region. Darauf lege ich gro├čen Wert. Deshalb muss die Entscheidung auch in der Region selbst fallen. Wir machen das nicht gegen die Menschen vor Ort, sondern mit ihnen, also wenn Bonn, K├Ânigswinter, Bad Honnef und der Rhein-Sieg-Kreis zustimmen.

GA: Bei einem Nein, bleibt das Siebengebirge dann ein Naturpark?

Uhlenberg: Wenn die Region insgesamt Nein sagt, wird es keinen Nationalpark geben.

GA: Und wenn die Stadt Nein sagt?

Uhlenberg: Dann werden sicher Gespr├Ąche stattfinden, um die Menschen dort zu ├╝berzeugen.

GA: Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?

Uhlenberg: Im n├Ąchsten Jahr, wenn sich die Kommunalparlamente gebildet haben.

GA: Die Kommunen wollen ein tragf├Ąhiges Verkehrskonzept, Klarheit ├╝ber die finanziellen Folgen und wenig Beeintr├Ąchtigungen f├╝r die B├╝rger im Siebengebirge. Wie gehen Sie darauf ein?

Uhlenberg: Sowohl das Verkehrs- als auch das Finanzkonzept liegen im Herbst vor. Beim Wegenetz wird es einen Kompromiss geben. Die Menschen werden sich in ihrem beliebten Siebengebirge weiter frei bewegen k├Ânnen, aber es wird auch h├Âhere Anspr├╝che an den Naturschutz geben.

GA: Was halten Sie vom Vorschlag des SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber, ein Biosph├Ąrenreservat oder Nationales Monument einzurichten?

Uhlenberg: Das w├Ąren theoretisch Alternativen, aber die Menschen k├Ânnen sich darunter zu wenig vorstellen. Der Nationalpark als feststehender, positiver Begriff hat schon eine besondere Ausstrahlung.

GA: Was w├Ąre so attraktiv an einem Nationalpark Siebengebirge?

Uhlenberg: Die Region w├╝rde gest├Ąrkt, es k├Ąmen mehr G├Ąste. Der Naturschutz erhielte einen h├Âheren Stellenwert. Und wir bek├Ąmen ein geschlossenes Konzept, einschlie├člich des Wegenetzes. Damit k├Ânnten wir das Verkehrsproblem schneller l├Âsen, als wenn wir gar nichts machen w├╝rden.

GA: Stellt das Land mehr Geld f├╝r den Nationalpark als bisher f├╝r den Naturpark zur Verf├╝gung?

Uhlenberg: Ein Nationalpark kostet mehr Geld als ein Naturpark. Wir werden uns angemessen an den Kosten beteiligen.

GA: Was hei├čt das?

Uhlenberg: Dar├╝ber kann man nur spekulieren und das will ich nicht. Aber man kann nicht nur, wie im letzten Jahr in Bonn, gro├če Konferenzen ├╝ber Naturschutz und Artenvielfalt abhalten, sondern man muss auch danach handeln. Wir wissen, dass das Geld kostet, aber ohne k├Ânnen wir keinen Naturschutz betreiben. Im ├╝brigen steht auch der Ministerpr├Ąsident hinter der Idee eines Nationalparks Siebengebirge.

(Quelle: General-Anzeiger Bonn vom 9./10. Mai 2009, Textmarker von mir)

Bei der Frage, warum nicht Biosph├Ąrenreservat oder Nationales Monument in Betracht gezogen werden, hat Herr Uhlenberg offenbar keine Argumente mehr. Um den Deal f├╝r Bad Honnef mit den ├ľkopunkten hinzubekommen, muss es aber ein Nationalpark ein. Also wird herumgeeiert, der B├╝rger als zu bl├Âd dargestellt, um andere Konzepte als den Nationalpark zu begreifen und von der "positiven Ausstrahlung des Nationalparks" gefaselt. Das Beste ist die Begr├╝ndung: "Damit k├Ânnen wir das Verkehrsproblem schneller l├Âsen, als wenn wir gar nichts machen." Tja, das liegt in der Natur der Sache, wenn wir nichts machen, passiert auch nichts. Das gilt aber nicht nur f├╝r den Nationalpark. Vielmehr f├╝r den Naturschutz ├╝berhaupt. Ganz richtig bemerkt Herr Uhlenberg im letzten Absatz: "Aber man kann nicht nur, wie im letzten Jahr in Bonn, gro├če Konferenzen ├╝ber Naturschutz und Artenvielfalt abhalten, sondern man muss auch danach handeln. Wir wissen, dass das Geld kostet, aber ohne k├Ânnen wir keinen Naturschutz betreiben." Nur, wer hat denn den Haushalt in NRW f├╝r den Naturschutz gek├╝rzt? Das war die jetzige Landesregierung, zu der auch Herr Uhlenberg geh├Ârt!

Und hier noch ein paar aktuelle Meldungen:

Park-Chaos soll im Nationalpark Vergangenheit sein

Mit 200 neuen Parkpl├Ątzen, Schildern und einem Shuttle-Service wollen die Verkehrsexperten den Besucherstr├Âmen beikommen

Von Hansj├╝rgen Metzer

Siebengebirge. Im Januar herrschte auf der Margarethenh├Âhe wieder einmal der absolute Ausnahmezustand. Der frische Schnee lockte die Menschen in Scharen, wobei sie nat├╝rlich auf ihre Autos nicht verzichten wollten. Ein Chaos war die Folge, mehrere Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden, weil Rettungswege und Grundst├╝cke von Anwohnern zugeparkt waren.
So oder so ├Ąhnlich sieht es auch an manchem Sch├Ânwetter-Wochenende im Siebengebirge aus. Doch das muss nicht so bleiben. Das war die Botschaft gestern Mittag im Raum Swist des Siegburger Kreishauses, wo der Rhein-Sieg-Kreis das Gutachten zum Freizeitverkehrskonzept f├╝r das Siebengebirge vorstellte. Wenige Stunden, bevor es im Planungs- und Verkehrsausschuss des Kreises pr├Ąsentiert wurde. "Wenn der Nationalpark kommt, gehe ich davon aus, dass wir eine priorit├Ąre F├Ârderung des Landes bekommen, wenn nicht, d├╝rfte es ├Ąu├čerst schwierig sein, weil es im Land viele andere priorit├Ąre Projekte gibt", sagte Landrat Frithjof K├╝hn.
Vor allem an Sonntagen sind die Parkpl├Ątze im und am Siebengebirge schon heute weitgehend ausgelastet, wie Gutachter Klaus H├╝bner vom B├╝ro Spiekermann AG festgestellt hat. Das gilt f├╝r die Parkpl├Ątze auf der Margarethenh├Âhe und "Im Mantel" am Rande von Heisterbacherrott. Die Parkpl├Ątze an der Talstation der Drachenfelsbahn und an der Dollendorfer Hardt sind zur H├Ąlfte, der Platz im Logbachtal ist zu einem Drittel ausgelastet. Dabei kommen die Besucher zu 90 Prozent aus Norden, besonders aus Bonn und K├Âln, und zum gr├Â├čten Teil mit dem Auto. Ziel eines Verkehrskonzeptes muss laut Gutachter sein, die Besucher zu den geplanten Nationalpark-Portalen Pleistal (Birlinghoven), Ennert (Holtdorf), K├Ânigswinter (Talstation), Margarethenh├Âhe und ├ägidienberg (Servatiushof) und zum Nationalpark-Zentrum in Rh├Ândorf zu leiten. Dabei soll eine zus├Ątzliche Belastung kritischer Ortsdurchfahrten wie Oberdollendorf oder Ittenbach vermieden werden.
Um dies zu erreichen, w├╝rden die Autofahrer fr├╝hzeitig auf den umliegenden Autobahnen durch Schilder dar├╝ber informiert, wie sie beispielsweise das Heisterbacher Tal oder die Margarethenh├Âhe am besten erreichen k├Ânnen. "Wir haben das Gl├╝ck, dass der Nationalpark von drei Autobahnen tangiert wird. Es fehlt nur eine Querspange im s├╝dlichen Bereich", sagte Gutachter H├╝bner.
Ein neuer Parkplatz ist nur an der Autobahnausfahrt Siebengebirge geplant. Hier schl├Ągt der Gutachter einen Park-and-Ride-Parkplatz mit 115 Pl├Ątzen vor. Insgesamt sind nur 200 zus├Ątzliche Parkpl├Ątze zu den bereits vorhandenen 1800 geplant, weil entgegen den urspr├╝nglichen Erwartungen auch nur mit 10 Prozent mehr Besuchern gerechnet wird. "Wir haben an der A3 eine ausreichende Fl├Ąche, wo wir problemlos in einer zweiten Stufe zus├Ątzlichen Parkraum schaffen k├Ânnten", so H├╝bner.
Aber das ist auch eine Kostenfrage. Selbst die nur 200 neuen Parkpl├Ątze w├╝rden rund 550 000 Euro kosten, das dynamische Parkleitsystem 985 000 Euro. "Wir erwarten eine kr├Ąftige F├Ârderung des Landes. Ich rechne mit 70 bis 80 Prozent", sagte K├╝hn. Doch auch das gelte nat├╝rlich nur f├╝r einen Nationalpark.
Auf den Punkt brachte es Kreisplanungsdezernent Michael Jaeger. "Ohne den Nationalpark w├Ąren diese Ma├čnahmen verkehrswirtschaftlich auch erforderlich. Doch es w├Ąre ungewiss, wann sie vom Land gef├Ârdert w├╝rden", sagte er. Wenn die Besucher ihre Fahrzeuge erst einmal auf einem Parkplatz abgestellt haben, k├Ânnten sie an Sonn- und Feiertagen einen Bus besteigen, um sich mit einem Shuttle zwischen den Portalen und den Sehensw├╝rdigkeiten zu bewegen. Auch das verursacht Kosten, die sich die St├Ądte und Kreise im Verh├Ąltnis 55 zu 45 teilen w├╝rden.
(Quelle: General-Anzeiger Bonn, 16.09.09)

Wir halten fest:
Zu den erwarteten Besucherzahlen sei auch auf den Artikel

Die G├Ąste sollen l├Ąnger bleiben

Die Internationale Fachhochschule untersucht in einer Tourismus-Studie die Auswirkungen eines Nationalparks

[...]├ťberraschend, so Wachowiak: Auf Basis der Erhebung jetzt sei davon auszugehen, dass weniger Touristen kommen als bisher angenommen: "Die bisher angenommene Zahl von 11.000 Besuchern pro Tag ohne Ausflugsverkehr ist nicht haltbar." Das Verh├Ąltnis von ├ťbernachtungs- zu Tagesg├Ąsten liege bei 1:4, nicht wie bisher angenommen bei 1:17 - Potenzial also auch hier, das ausgebaut werden k├Ânnen.
(Quelle: General-Anzeiger vom 12./13.09.2009)
Anmerkung: Der letzte Satz besagt, dass das Verh├Ąltnis von ├ťbernachtungsg├Ąsten zu Tagesg├Ąsten BESSER ist als angenommen. Die Schlussfolgerung 'Potenzial also auch hier, das ausgebaut werden kann' ist daher falsch: Es l├Ąsst sich nicht mehr um so viel verbessern wie angenommen!

Ein Beitrag zur Finanzplanung:

"Keine Nachteile f├╝r Kommunen"

Erster Finanzplan f├╝r m├Âglichen Nationalpark

Siebengebirge. Er sei "zweifelsohne eine Strukturf├Ârderma├čnahme f├╝r die gesamte Region", "eine Win-Win-Situation f├╝r alle Partner" - solche Attribute wurden gestern genannt im Zusammenhang mit dem geplanten Nationalpark Siebengebirge. Anlass war die Vorstellung des vom Land in Auftrag gegebenen Finanzgutachtens, das erste, wenn auch nicht alle abschlie├čenden Fakten zur Wirtschaftsplanung f├╝r denselben liefert. Abschlie├čend ist die Betrachtung schon deshalb nicht: Wegen des B├╝rgerentscheids am Sonntag hatte Bad Honnef vorerst alle Gespr├Ąche eingestellt. Gegenargumente wie das, dass den Kommunen finanzielle Nachteile entst├╝nden, "werden entkr├Ąftet", so Thomas Neiss, Abteilungsleiter im Landes-Umweltministerium.

Kosten: Laut Gutachten l├Ągen die Gesamtkosten im Anfangsjahr 2001 bei rund 3 ,418 Millionen Euro. Rechnet man etwa Jagdpachteinnahmen - bis 2015 haben alle Vertr├Ąge Bestand, danach wird der Ausfall der Pacht vom Land entsch├Ądigt - und Einnahmen aus Holzeinschl├Ągen ab, l├Ągen die Kosten f├╝r das Land im Jahr eins bei knapp drei Millionen Euro. Durch zu erwartenden Steigerungsraten etwa bei Sach-und Personalkosten - mit zugrunde gelegten 35 Vollzeitstellen und 1,7 Millionen Euro der gr├Â├čte Block - , w├╝rden die Kosten auf circa 4,5 Millionen Euro steigen. Wichtig: Im Entwurf der Rahmenvereinbarung ist verankert, dass auch der Landeszuschuss entsprechend steigt.

Bad Honnef: Sie ist die einzige Kommune, die eigene Fl├Ąchen einbringen kann. Rechnet man alle Kosten gegen, bliebe ein Plus von 138 900 Euro.

Bonn, K├Ânigswinter und Rhein-Sieg-Kreis: Sie br├Ąchten keine Fl├Ąchen ein, w├╝rden ihre Aufgaben wie Wegeunterhaltung und Naturschutzma├čnahmen an den Verband ├╝bertragen. J├Ąhrliche Kosten entst├╝nden durch den Verbandsbeitrag (Bonn 6 000, K├Ânigswinter 6 000, Rhein-Sieg-Kreis 15 000 Euro) und anteilige Personalkosten (Bonn 8 200, K├Ânigswinter 12 000, Kreis 12 000 Euro). Rechnet man Ersparnisse wie durch den Wegfall der Wegeunterhaltung ab, blieben f├╝r Bonn Kosten von 12 900 Euro, f├╝r K├Ânigswinter 7 500 Euro j├Ąhrlich.

VVS: Der Verein besitzt rund 840 Hektar Wald, unterh├Ąlt etwa 85 Kilometer Wege, 26 Schutzh├╝tten. Einnahmen heute sind Wegenutzungsrechte und Parkgeb├╝hren. Rechnet man eine Pacht von 81 000 Euro gegen, ergibt sich ein Plus von 92 000 Euro pro Jahr.

(Quelle: General-Anzeiger Bonn, 22.09.09)

Bei diesen Prognosen ist klar, dass der VVS und die Stadt Bad Honnef f├╝r einen Nationalpark pl├Ądieren. Die finanziellen Begehrlichkeiten machen es so der CDU leichter, die Autobahn durch das Siebengebirge durchzusetzen (s.o).
Zahlen d├╝rfen daf├╝r andere, wie z.B. Bonn, das sich ausdr├╝cklich gegen die S├╝dtangente ausgesprochen hat.

Eine interessante Notiz fand sich am 2.10.2009 im General-Anzeiger:

Werbung kostete 46 000 Euro

Siebengebirge. Rund 46.000 Euro hat das NRW-Umweltministerium in Werbema├čnahmen f├╝r einen Nationalpark Siebengebirge gesteckt - den die Bad Honnefer beim B├╝rgerentscheid am Sonntag gestoppt haben. Wie ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage des General-Anzeiger mitteilte, wurde das Geld f├╝r Plakate, Informations-Veranstaltungen und -st├Ąnde sowie Podiumsdiskussionen ausgegeben. Auch die Werbemittel von Nationalpark-Bef├╝rwortern wie dem BUND habe das Ministerium bezuschusst. Dazu kommen Kosten f├╝r die bislang erstellten Gutachten und das Wegekonzept, doch die k├Ânnten auch jetzt noch genutzt werden, so der Sprecher.

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Kommentare
 D. Schneider [WWW] (26.10.2007 23:43) Im Zusammenhang mit der Nationalpark-Planung wurde verschiedentlich auch angef├╝hrt, dass durch den Nationalpark auch Arbeitspl├Ątze entstehen w├╝rden.
 Interessant dazu ist die Aussage von Herrn Rolf Brocksieper (LANUV NRW, Arbeitsgruppe ├ľkologie) am 25.10.07 bei der Informationsveranstaltung der CDU in Niederholtdorf:
 "Im Schnitt entstehen bei einem Nationalpark pro 10 ha 1 Arbeitsplatz. Allerdings ist zu pr├╝fen, ob das auf den Nationalpark Siebengebirge auch zutreffen w├╝rde."
 Zu gut Deutsch: Arbeitspl├Ątze sind zwar w├╝nschenswert, aber das Land wird sich daran nicht beteiligen.

 Auch zu den in Aussicht gestellten Geldern gab es eine interessante Aussage: Dass n├Ąmlich der vom Land einzubringende Staatswald [der jetzt zum Naturschutzgebiet geh├Ârt] EINE GELDWERTE LEISTUNG DARSTELLT.
 Auf gut Deutsch: Das Land bringt den Staatswald mit ein, tut aber sonst keine m├╝de Mark [Euro] dazu!

 Mir stellt sich das ganze so dar, dass die Landesregierung ein politisches, geldwertes Geschenk an die CDU Bad Honnef macht ohne daf├╝r Geld auszugeben, daf├╝r noch Ruhm einstreichen will und gleichzeitig die ├ľffentlichkeit f├╝r dumm verkauft.
 
 D. Schneider [WWW] (30.11.2007 20:18) Auf der Informationsveranstaltung am 29.11.07 im Rathaus Bonn waren von offizieller Seite einige interessante Bemerkungen zu h├Âren. So lie├č sich Herr Neiss vom Ministerium in D├╝sseldorf dazu hinreissen, einem Ittenbacher, der sich ablehnend zum Nationalpark ├Ąu├čerte, an den Kopf zu werfen: "├ťber den Nationalpark entscheiden nicht Sie, sondern die Bewohner von ganz Deutschland und die von ihnen gew├Ąhlten Abgeordneten."
 Das steht zum einen im Widerspruch zu den immer wieder gemachten Aussagen, dass man den Nationalpark nicht ohne die Zustimmung der lokalen Bev├Âlkerung beschlie├čen wolle. Zum anderen klingt das, als glaube Herr Neiss, die Regierung sei dazu gew├Ąhlt, anstelle der Bev├Âlkerung abzustimmen. Ein merkw├╝rdiges Demokratie-Verst├Ąndnis.

 Weiterhin f├╝hrte Herr Neiss den K├Âlner Dom als Beleg daf├╝r an, dass das Siebengebirge zum Nationalpark werden m├╝sse. Nun ist der K├Âlner Dom weder ein Nationalpark, noch assoziiert man mit ihm einen Nationalpark. Was Herr Neiss dabei durch den Kopf geschwirrt sein mag, ist vielleicht der Begriff 'Nationales Kulturerbe'. Das ist aber etwas v├Âllig anderes und hat mit der Definition eines Nationalparks nichts zu tun.
 Mir scheint, dass hier auf Seiten der Bef├╝rworter einige Begrifflichkeiten noch immer nicht gekl├Ąrt sind. Das w├Ąre aber eine Voraussetzung f├╝r eine sachliche und ergebnisoffene Diskussion.
 
 D. Schneider [WWW] (04.12.2007 23:32) Wenn die Aussagen von Frau Haupt zutreffen, l├Ąsst sich nur feststellen:
 An Dreistigkeit sind unsere "staatstragenden" Bef├╝rworter eines Nationalparkes wohl nicht mehr zu ├╝berbieten. 
 
 D. Schneider [WWW] (11.07.2008 11:17) Ein Link, den Sie sich unbedingt ansehen m├╝ssen:
 http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1201191988197.shtml
 Wenn Sie sich bis dahin Illusionen ├╝ber die heren Ziele der Nationalpark-Bef├╝rworter hingegeben haben, werden Sie danach kuriert sein.
 In den Planungen der ehrenwerten Herren wird schon das Fell verteilt, bevor der Hirsch geschossen ist:
 "Das bedeute 4,2 Millionen Euro Bruttoumsatz j├Ąhrlich mehr in der Tourismuswirtschaft Bad Honnefs und K├Ânigswinters. Und m├Âgliche zus├Ątzliche Tagesg├Ąste seien da noch gar nicht eingerechnet."
 Wie das Gebiet nach 3 Jahren mit einem j├Ąhrlichen Besucheransturm von ├╝ber 4 Millionen PLUS Tagesg├Ąste aussieht, will ich mir lieber nicht vorstellen. Sicher ist nur, dass von den vielzitierten vielf├Ąltigen Arten, die jetzt f├╝r die Argumentation f├╝r die Einrichtung eines Nationalparks misbraucht werden, kaum noch etwas ├╝brig sein wird.
 Auch hier wird wieder ein Allgemeingut dem kurzfristigen Profit einiger weniger geopfert, negative Folgen werden der Allgemeinheit aufgelastet. Ich h├Âre schon die lauten Rufe, dass zur Werterhaltung des Nationalparks und des Tourismus in der Region UNBEDINGT ├Âffentliche Investitionen notwendig seien, weil sonst dem Nationalpark und dem Tourismus das Aus drohe, und damit sei eine Vielzahl von Arbeitspl├Ątzen gef├Ąhrdet. Von den Firmen, die sich jetzt den gro├čen Reibach vom Nationalpark versprechen, wird allerdings keiner f├╝r diese vorhersehbaren Folgen finanziell aufkommen wollen.
 GENAU SO wird es kommen, wenn wir diese Farce nicht verhindern!! Sie werden sehen - ich habe Sie gewarnt! 

Am 18.06.2007 von Diethelm Schneider verfasst.