Saatgutbehandlung t├Âtet Bienen

Bedrohung elementarer ├ľkosystem-Funktionen wird f├╝r Pharma-Profit in Kauf genommen - Stellungnahme zu den Vergiftungsf├Ąllen im Rheintal und der geplanten Wiederzulassung von Clothianidin

Obwohl man den Mais-Wurzelbohrer auch dadurch bek├Ąmpfen kann, dass man auf Fl├Ąchen, auf denen gerade Mais geerntet wurde, als n├Ąchstes keinen Mais, sondern eine andere Feldfrucht anbaut, war der Einfluss der Agrochemie-Lobby (in diesem Falle Bayer CropScience) in Baden-W├╝rttemberg offenbar ausreichend, dass man die Politiker dazu bringen konnte, eine Verordnung zu erlassen, die vorschrieb , dass Mais-Saat nur noch nach Behandlung mit Clothianidin ausgebracht werden durfte.

Dass Clothianidin ebenso wie Imidacloprid ein starkes Insektengift (und Nervengift) ist und auf alle Insekten t├Âdlich wirkt, ist lange bekannt. Genau das sollte es ja tun: Insekten umbringen. In den Augen der Pharma-Industrie sind Insekten und Sch├Ądlinge das gleiche. Dass Bienen als N├╝tzlinge auch unter die Insekten fallen, ist eben Pech. Nur gut, dass die Bodenlebewesen, die dem Gift zum Opfer fallen, so klein sind, dass man sie mit blo├čem Auge kaum sieht. So nimmt es kaum einer war und es gibt keine Beschwerden. Wenn sich der Zustand des Ackerboden deswegen verschlechtert, verkauft man dem Landwirt einfach noch ein paar zus├Ątzliche D├╝ngemittel - alles paletti.

Beim Ausbringen des mit Clothianidin behandelten Saatgutes kam durch den (b├Âsen) Wind leider ein bisschen Abrieb auf die Bl├╝ten der Umgebung. Wenn nicht den Imkern die Bienen gestorben w├Ąren, h├Ątte es keiner gemerkt.

Was auch keiner gemerkt hat (na ja, also bis auf ein paar Fachleute vielleicht) sind die Konsequenzen:
Clothianidin auf den Bl├╝ten bedeutet: Tod aller Bl├╝tenbesucher. Bl├╝tenbesucher sind eine ungeheure F├╝lle von Insekten, die alle eine bedeutende Rolle im Naturhaushalt spielen:
Neben der Honigbiene sind das nicht nur weitere 550 Wildbienenarten, die in Deutschland vorkommen, sondern auch zigtausende von Schlupfwespen, Lehmwespen, Grabwespen, Wegwespen, Papierwespen, Hornissen, Raupenfliegen, Schmetterlingen und weitere Insektengruppen. Alle zu diesen Gruppen geh├Ârenden Insekten sind f├╝r die Eigenversorgung auf Nektar, d.h. auf Bl├╝tenbesuch angewiesen. Alle diese Insekten sind von diesen Vergiftungen betroffen!

Die Folgen sind absehbar: Nicht nur dass die Artenvielfalt abnimmt: Eine Vergiftung der Augenfalter f├╝hrt zu einer Zunahme der Gr├Ąser und einer Abnahme der Bl├╝tenvielfalt auf den Wiesen, weil die Augenfalter-Raupen die Gr├Ąser nicht mehr in Schach halten. Eine Vergiftung der Schlupfwespen, Lehm- und Grabwespen f├╝hrt zum Ausfall vielf├Ąltiger Regulationsmechanismen, die normalerweise die explosionsartige Vermehrung von Arten, die dann als Sch├Ądlinge auftreten k├Ânnen, verhindern. Das bedeutet, dass wir in der Folge vermehrt auftretende Sch├Ądlingskalamit├Ąten beobachten werden.
F├╝r die Agrochemie-Industrie ist das kein Verlust, weil sie dadurch ihren Absatzmarkt f├╝r Pestizide sogar noch vergr├Â├čern kann. 'Kollateralsch├Ąden' wie jetzt im Badischen kann man da schon mal in Kauf nehmen.

Aber es stimmt auch nicht, dass nur der Abrieb f├╝r die Bl├╝tenbesucher giftig ist. Neonicotinoide wie Clothianidin und Imidacloprid sind n├Ąmlich systemische Gifte, die von den Pflanzenzellen aufgenommen und beim Wachstum, d.h. der Zellteilung, auf die Tochterzellen verteilt werden. F├╝r den Landwirt hat das den Vorteil, dass auch noch der Keimling und eventuell sogar noch die ausgewachsene Pflanze vor (Insekten-)Fra├č gesch├╝tzt ist. F├╝r die Bl├╝tenbesucher hat das den Nachteil, dass auch im Pollen noch Spuren des Giftes zu finden ist. Auch wenn die Menge im Einzelfall nicht mehr ausreicht, um Insekten, die von dem Pollen fressen, unmittelbar zu vergiftet, hat es dennoch schwerwiegende Folgen. Zum Teil k├Ânnen das chronische Vergiftungen sein, also ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum (die Agrochemie-Industrie fragt nur, ob innerhalb von 48 Stunden weniger als die H├Ąlfte der damit behandelten Tiere sterben; dann ist es 'bienenfreundlich'!). Mindestens genauso wichtig ist aber die Wirkung auf das Bienengehirn: Die im Pollen vorhandenen Mengen reichen aus, um einen Bereich des Gehirns zu beeinflussen, der f├╝r das Lernen eine bedeutende Rolle spielt! Das bedeutet, dass Bienen, die diesen Pollen gefressen haben, nicht mehr in der Lage sind, neues zu lernen. Sie lernen also keine neuen Bl├╝tenformen mehr, auch keine neuen Wege! Bei den Wanderimkern in Nordamerika hat das schon zum massenhaften Ausbleiben der Sammelbienen gef├╝hrt, weil diese nach Verbringung des Stocks an einen neuen Standort nicht in der Lage waren, neue Wege zu lernen und stattdessen versuchten, zum alten Standort zur├╝ckzufliegen.
Aber auch station├Ąre Imker sind betroffen, weil Larven, die mit kontaminiertem Pollen gef├╝ttert wurden, auch nicht in der Lage sind sp├Ąter als Sammelbiene Flug- und Heimkehrrouten zu lernen, genauso wenig wie Bl├╝tenformen und Farben. Das wiederum bedeutet, dass es zeitverz├Âgert auch hier Verluste gibt, wenn auch nicht so pl├Âtzlich und spektakul├Ąr wie bei den Wanderimkern.

In jedem Fall ist der Einsatz solcher Gifte unverantwortlich und muss verboten werden! Imidacloprid ist in Frankreich zum Beispiel schon lange verboten und Clothianidin wurde erst gar nicht zugelassen. Bei uns dagegen wird einfach behauptet, dass Saatgut und Bienen nicht miteinander in Ber├╝hrung kommen und daher diese Insektengifte 'bienenungef├Ąhrlich' seien.

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Externer Link auf ein Unterst├╝tzungsforumlar des Coordination gegen BAYER-Gefahren:

Bitte unterst├╝tzen Sie unsere Forderung nach einem Verbot von Imidacloprid und Clothianidin mit Ihrer Unterschrift online

Alternativ k├Ânnen Sie auch ein Formular als PDF herunterladen und ausdrucken:
Flugblatt_Bienensterben.pdf

Am 21.07.2008 von Diethelm Schneider verfasst.