Bienensterben: ‚ÄěVollst√§ndiges Verbot gef√§hrlicher Pestizide √ľberf√§llig!‚Äú

Nach entsprechend umfangreichem √∂ffentlichen Druck hat auch Deutschland dem Teil-Verbot von drei gef√§hrlichen Pestiziden zugestimmt, so dass eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten f√ľr dieses Verbot zustande kam.

Dazu eine Pressemeldung des Centrum gegen Bayergefahren (CBG):

Bienensterben: ‚ÄěVollst√§ndiges Verbot gef√§hrlicher Pestizide √ľberf√§llig!‚Äú

29. April 2013 -- Die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten hat sich heute f√ľr ein Teil-Verbot von drei umstrittenen Pestiziden ausgesprochen. Verboten werden soll die Anwendung demnach bei Sonnenblumen, Raps, Mais und Baumwolle. Zwei der Wirkstoffe, Imidacloprid und Clothianidin, werden von Bayer CropScience produziert. 15 EU-L√§nder, darunter auch Deutschland, stimmten in Br√ľssel f√ľr den Vorschlag der EU-Kommission.

Hierzu erkl√§rt Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): ‚ÄěBAYER-Chef Marijn Dekkers hat noch am Freitag in der Hauptversammlung des Konzerns geleugnet, dass Pestizide f√ľr den R√ľckgang der Bienenpopulationen in aller Welt mitverantwortlich sind. Leider hat es bei BAYER Tradition, dass die Risiken gef√§hrlicher Produkte bis zum letzten Moment abgestritten werden ‚Äď so war es einst bei Heroin oder bei HIV-belasteten Blutprodukten, und so ist es heute bei Pestiziden oder hormonaktiven Kunststoffen wie Bisphenol A.‚Äú
 
Die CBG fordert ein vollst√§ndiges Verbot von Imidacloprid und Clothianidin sowie eine Haftung der Hersteller f√ľr die entstandenen Sch√§den. ‚ÄěSeit 1998 fordern wir ein Verbot von Pestiziden aus der Substanzklasse der Neonicotinoide wegen ihrer Sch√§dlichkeit f√ľr Bienen. BAYER und SYNGENTA haben mit den Pr√§paraten in der Zwischenzeit Milliarden verdient. Es darf nicht sein, dass die Firmen die Gewinne einsacken, die Allgemeinheit hingegen f√ľr die entstandenen Sch√§den aufkommen muss‚Äú, so Mimkes weiter.
 
Die CBG und Imkerverb√§nde haben die Risiken der Substanzen in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich in den BAYER-Hauptversammlungen kritisiert. Erst am Freitag hatten Aktivist/innen von Greenpeace ein 75 qm gro√ües Transparent mit der Aufschrift ‚ÄěPestizide t√∂ten Bienen!‚Äú vor der K√∂lner Messehalle aufgespannt.

Quelle: Newsletter CBG

Zu Hintergrund und Vorgeschichte eine Pressemeldung vom Pestizid Aktionsnetzwerk (PAN):

Verbot hoch bienengefährlicher Neonikotinoide durchsetzen

07.03.2013,  Pestizid-Brief 3, 2013, Susan Haffmans, PAN Germany

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    Am 31.1.13 empfahl die EU Kommission, den Einsatz der hoch  bienengef√§hrlichen Insektizid-Wirkstoffe Clothianidin und Imidacloprid  der BAYER CropScience sowie Thiamethoxam von SYNGENTA in  bienenattraktiven Kulturpflanzen ab dem 1. Juli 2013 f√ľr zwei Jahre zu  verbieten und erarbeitete einen entsprechenden Vorschlag zur Abstimmung  durch die Mitgliedstaaten (1). Doch die urspr√ľnglich f√ľr den 25.2.13  geplante Abstimmung √ľber den Vorschlag der EU Kommission durch die  Mitgliedstaaten wurde auf den 14.3.13 vertagt. PAN Germany fordert  Bundesagrarministerin Aigner auf, den Vorschlag der Kommission zu  unterst√ľtzen. Aus Sicht von PAN Germany ist das zeitlich befristete  Verbot der drei hoch bienengef√§hrlichen Pestizid-Wirkstoffe ein  wichtiger erster gemeinschaftlicher Schritt, dem weitere folgen m√ľssen,  um Bienen besser vor den negativen Auswirkungen der Pestizide zu  sch√ľtzen. 

Die Pestizidindustrie macht Druck

 Der Druck auf die Kommission ist gro√ü, vor allem von Seiten der  Pestizidhersteller, die die Wettbewerbsf√§higkeit der europ√§ischen  Landwirtschaft und Arbeitspl√§tze gef√§hrdet sehen und unterstellen, dem  Vorschlag der Kommission fehle die wissenschaftliche Basis. Syngenta  bezeichnet den Vorschlag als unangemessen und politisch motiviert; Bayer  CropScience kritisiert die "allzu konservative Auslegung des  Vorsorgeprinzips durch die EU-Kommission". (2,3). Mit einer von der  Industrie finanzierten Studie zum sozio-√∂konomischen und √∂kologischen  Wert der Beizung mit Neonikotinoiden hat das Humboldt Forum for Food and  Agriculture e.V. versucht, die Sorge vor massiven Ertrags- und  Gewinneinbu√üen zu sch√ľren (4). PAN Europe hat die Studie unter die Lupe  genommen und erhebliche Defizite bez√ľglich Datengrundlage, Annahmen und  Transparenz aufgedeckt (5). Unter anderem prognostiziert die Studie  Ertragseinbu√üen durch den Verzicht auf Neonikotinoiden in Beizmitteln  von 40%. Dem h√§lt PAN entgegen, dass selbst bei einem vollst√§ndigen  Verzicht auf alle chemisch-synthetischen Pestizide, wie bei der  Umstellung auf kontrolliert √∂kologische Bewirtschaftung, die  durchschnittlichen Ertragseinbu√üen in Europa bei nur 20% liegen.  Erfahrungen aus Italien, wo seit drei Anbaujahren Mais der ohne  Neonikotinoid-Beizung ausgebracht wird, zeigen, dass die Ertr√§ge stabil  blieben, bei gleichzeitiger Erholung der Bienenv√∂lker.

Wo bleibt die Zustimmung des BMELV?

 Das Bundesministerium f√ľr Ern√§hrung, Landwirtschaft und  Verbraucherschutz (BMELV) w√ľnscht nach eigenen Angaben ein "europaweit  einheitliches Vorgehen auf wissenschaftlicher Basis" beim Schutz der  Bienen. So steht es in der Presseerkl√§rung "Deutschland unterst√ľtzt  EU-Kommission beim Bienen-Schutz" des Bundeslandwirtschaftsministeriums  vom 1.2.13 (6). Diese geforderte Basis hat die Europ√§ische Beh√∂rde f√ľr  Lebensmittelsicherheit (EFSA) geliefert (7). Das EFSA Panel on Plant  Protection Products and their Residues (PPR) pr√ľfte im vergangenen Jahr  die g√§ngige Risikoanalyse im Zulassungsverfahren und stellte gravierende  Defizite im Bereich Bienenschutz fest. Die Wissenschaftler kritisierten  u.a. die Vernachl√§ssigung von Langzeituntersuchungen, die fehlende  Differenzierung nach Bienenarten mit unterschiedlichen Verhaltensweisen,  Expositionsrisiken und Empfindlichkeiten und das Au√üer-Acht-Lassen von  Expositionspfaden (8).

Doch obgleich das BMELV in der o.g. Presseerkl√§rung schreibt  "Deutschland unterst√ľtzt das Vorhaben der Europ√§ischen Kommission, den  Schutz der Bienen im Zusammenhang mit der Anwendung von  Pflanzenschutzmitteln zu verst√§rken", sucht man vergeblich nach einer  eindeutigen Zustimmung des BMELV zu den Vorschl√§gen der Kommission.  Vielmehr wird hervorgehoben, dass Deutschland "bereits fr√ľhzeitig"  Ma√ünahmen zum Schutz von Bienen und anderer Best√§uber vor  Neonikotinoiden ergriffen hat und verweist auf Abdrift-mindernde Ger√§te  und das Verbot von Neonikotinoid-Beizungen von Mais und Getreidesaatgut.  Dass diese Ma√ünahmen erst nach der Massenvergiftungen von √ľber 11.500  Bienenv√∂lkern durch das Neonikotinoid Clothianidin ergriffen wurden und  keinesfalls als "fr√ľhzeitig" zu bezeichnen sind, erw√§hnt die  Presseinformation des BMELV nicht.

PAN Germany hat Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner in einem  offenen Brief dazu aufgerufen, dem Kommissionvorschlag am 14.3.13  zuzustimmen (9). Das von der EU Kommission vorgeschlagene, wenn auch  befristete Verbot, w√§re ein erster Schritt, Bienen vor weiteren  Vergiftungen besser zu sch√ľtzen. Vielleicht lassen sich bestehende  Ungenauigkeiten bei der Ausarbeitung des Kommissionsvorschlags noch  schlie√üen. Insbesondere sollte der Fokus auf dem Schutz von Wild- und  Honigbienen liegen, hier springt der Entwurf noch zwischen "Honigbienen"  und "Bienen" hin und her. Doch gerade vor dem Hintergrund der  besonderen Empfindlichkeit von Wildbienen, ihrer Gef√§hrdung und ihrer  gerade wieder best√§tigten gro√üen Best√§ubungs- und somit  √Ėkosystemleistung (10), ist es wichtig, die Wildbienen mit  einzuschlie√üen. Auch die Frage, was genau eine f√ľr Bienen "attraktive  Kulturpflanze" ist, sollte zwingend im Dialog mit Berufsimkern und  Wildbienenexperten gekl√§rt werden. Denn die Attraktivit√§t h√§ngt nicht  nur vom Pollen- und Nektarwert der Pflanze ab, auch etwa das  Vorhandensein von Honigtau kann einen Bestand f√ľr Bienen attraktiv  machen.

Hoch bienengefährliche Neonikotinoide in deutschen Pestizidprodukten

 21 Pestizid-Handelsprodukte mit Imidacloprid, 6 mit Clothianidin und 7  mit Thiamethoxam sind derzeit in Deutschland regul√§r zugelassen (11).  Angewendet werden sie in fast allen Kulturen: Tabak, Apfel, Wein,  Zierpflanzen, Gem√ľse, Futter- und Zuckerr√ľben, Kartoffeln und Raps.  Ausgenommen ist derzeit lediglich die Anwendung in Getreide und  Maisbeizen. Fast fl√§chendeckend ist der Einsatz in der Saatgutbehandlung  von Raps, Futter- und Zuckerr√ľben.

Wirkungsweise der Neonikotinoide

In der Pflanze gelangen die Neonikotinoiden Wirkstoffe aufgrund  ihrer systemischen Eigenschaft mit den Pflanzens√§ften in alle  Pflanzenteile und Neuzuw√§chse. Dadurch lassen sich die Wirkstoffe in  Bl√§ttern, im Nektar, im Pollen und im Guttationswasser nachweisen.  Einmal in der Biene angekommen, wirken Neonikotinoide als Nervengifte.  Sie blockieren im Insekt wichtige Rezeptoren im Hirn. Bei h√∂heren  Konzentrationen kann dies akut zum Tod der Insekten f√ľhren, bei  geringeren Dosierungen werden √ľberlebenswichtige Funktionen gest√∂rt, wie  die F√§higkeit zu riechen oder sich zu orientieren. Auch die  Anf√§lligkeit gegen√ľber anderen Stressoren wie geringe Futterqualit√§t  oder Krankheiten steigt, wenn die Tiere gleichzeitig niedrigen  Konzentrationen von Neonikotinoiden ausgesetzt sind (12).

Aus Sicht von PAN gibt es ausreichend Evidenz, dass √ľber das nun von  der EU Kommission geforderte befristete Verbot von Clothianidin,  Imidacloprid und Thiamethoxam hinaus, Neonikotinoide zuk√ľnftig generell  und dauerhaft verboten werden sollen.

(Susan Haffmans, PAN Germany)

  

Anmerkungen

  (1) http://www.agaca.coop/docs/Draft%20regulation%20restriction%20neonicotinoids.doc%5B1%5D.pdf
 (2) http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Pflanze/Syngenta-EU-Vorschlag-Bienenschutz_article1359795657.html
 (3) http://agrar.bayer.de/Bayer_CropScience_lehnt_Vorschlag_der_EU_Kommission_entschieden_ab.cms
 (4) http://www.hffa.info/files/wp_1_13_1.pdf
 (5) http://www.pan-europe.info/News/PR/130305.html
 (6) http://www.bmelv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2013/040-AI-Bienen.html
 (7) http://www.efsa.europa.eu/en/search/doc/3066.pdf; http://www.efsa.europa.eu/en/search/doc/3067.pdf;
  http://www.efsa.europa.eu/en/search/doc/3068.pdf
 (8) PAN Germany Pestizid-Brief Juli/August 2012 online unter http://www.pan-germany.org/deu/~news-1203.html
 (9) http://www.pan-germany.org/download/Offener_Brief_Aigner_1303.pdf
 (10) http://science.orf.at/stories/1713544/
 (11) Pestizide Online Datenbank des BVL https://portal.bvl.bund.de/psm/jsp/ Abruf am 28.2.2013
 (12) PAN Germany (2012): Bienen, Hummeln & Co - Bedeutung, Gef√§hrdung & Schutz.
http://www.pan-germany.org/download/biodiversitaet/Bestaeuber_Info_2011.pdf

Quelle: http://www.pan-germany.org/deu/~news-1243.html

Am 29.04.2013 von Diethelm Schneider verfasst.