Volksverdummung für den Profit

Die Regeln des Marketing haben die Chemiekonzerne verinnerlicht, um nicht zu sagen inhaliert:
- Für den Absatz von Produkten, die keiner braucht, muss man einen Markt schaffen.
- Dafür muss man Werbung machen.
- Am effizientesten ist Werbung, wenn sie nicht als Eigenwerbung erkennbar ist, sondern scheinbar von einer neutralen Person vorgetragen wird, vorzugsweise von einem Journalisten.

Dadurch erhält die Werbung eine (scheinbar) höhere Authentizität, der (potentielle) Käufer ist dafür leichter zugänglich als für Werbeplakate.
Wichtig dafür ist natürlich eine packende Story: Wenn schon nicht wahr, muss sie wenigstens gut erfunden sein und plausibel klingen.

Diese Form der Werbung nennt man 'Redaktionellen Beitrag'. In dieser Form sieht die Werbung aus wie ein journalistischer Beitrag eines Redakteurs, in Wirklichkeit wird der fertige Beitrag von der Firma geliefert.

Ein Beispiel dafür liefert der folgende Beitrag:

Giftpflanze auf dem Vormarsch

Jakobskreuzkraut breitet sich rasant aus

Bonn. In Deutschland ist das Jakobskreuzkraut auf dem Vormarsch. Die bis zu 1,40 Meter große Pflanze enthält Pyrrolizidinalkaloide, die bei dauerhaftem Genuss bereits in relativ geringen Dosen die Leber schädigen können, teilt die Universität Bonn mit.
Das Jakobskreuzkraut ist giftig.




Als Spätfolge drohe dann Leberkrebs, so die Uni. Größere Mengen könnten direkt einen tödlichen Leberschaden auslösen.
Ein Grund für die Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts sei unter anderem die Zunahme von Brachflächen, die nicht mit Herbiziden behandelt würden. "Jakobskreuzkraut ist sehr genügsam", erklärt Helmut Wiedenfeld vom Pharmazeutischen Institut. Inzwischen häuften sich in ganz Deutschland Todesfälle bei Pferden, die für das Toxin der Pflanze besonders empfindlich sind.

"In vielen dieser Fälle steht inzwischen eindeutig Jakobskreuzkraut als Verursacher fest", sagt Wiedenfeld. Momentan wird am Pharmazeutischen Institut untersucht, ob diese toxischen Stoffe in die Nahrungsmittelkette gelangen können. Es mehren sich die Hinweise, dass das Toxin möglicherweise in die Milch von Kühen übergehen kann, die Jakobskreuzkraut gefressen haben, so die Uni.

Durch Bienen könne es zudem in Honig gelangen, wo es bereits nachgewiesen worden sei. Ein Grund zur Panik bestehe nicht, betont Wiedenfeld. "Wir müssen die Pflanze aber mit aller Macht bekämpfen", sagt er. Es gebe wirksame Herbizide, die auch schnell wieder abgebaut werden.

Artikel vom 26.05.2009
Quelle: General-Anzeiger vom 26.5.09

Hier finden wir alle typischen Elemente:
Wir sehen, wie hier aus Halbwahrheiten eine Geschichte gestrickt wird, die dem Leser den Eindruck vermitteln soll, als hinge die Gesundheit der Menschen davon ab, dass man ausreichend Gift einsetzt - ausgerechnet!

Dass man mit dem Gifteinsatz (angebliche) Problemarten erst wirklich zu Problemarten macht, weil man ihre Fressfeinde (Regulatoren) damit ausrottet, braucht der Leser nicht zu wissen - er soll ja schließlich das Gift kaufen.
Dass von dem Gift nicht nur das Jakobskreuzkraut betroffen wird, sondern alle Nicht-Gräser, führt dazu, dass aus Wiesen reine Grasbestände werden. Hier hat kein Nützling mehr eine ‹berlebens-Chance, weil es kein Nektar mehr gibt. Damit wird der Einsatz von Gift erst unentbehrlich, weil jetzt keine Regulation der Schädlinge (die erst dadurch zu Schädlingen werden) mehr stattfinden kann.
Der Käufer wird so in Abhängigkeit der Chemiekonzerne gebracht. Die Ausrottung der Artenvielfalt geht dabei mit Siebenmeilenstiefeln voran.
Die gezielte Verbreitung einer öffentlichen Hysterie aus reinem Profitstreben bei Inkaufnahme verheerender Folgen für die Umwelt ist unverantwortlich!

Nachtrag vom 5.6.09:
Eine Nachfrage bei Herrn Behr von der Landwirtschaftskammer NRW ergab folgendes:
- Im Zuständigkeitsbereich der Landwirtschaftskammer sind bisher KEINE Vergiftungsfälle bei Pferden bekannt.
- Jakobskreuzkraut stellt KEIN Problem dar; allenfalls kann es zu einer Zunahme auf Weiden bei Hobby-Pferdehaltern kommen, die durch ‹berweidung vermehrt Trittschäden auf der Weide haben und kein vernünftiges Weidemanagement machen. Jakobskreuzkraut lässt sich aber leicht durch Ausreißen bekämpfen.
In der gewerblichen Grünlandwirtschaft ist Jakobskreuzkraut bisher KEIN Problem.

Nachtrag vom 20.08.09:
Herr Wiedenfeld und die Greiskräuter scheint eine unendliche Geschichte:
Das Kreuz mit dem Rucola
Dazu auch folgender Beitrag:
Giftiges Kreuzkraut im Rucola?
Kommentar aus Fachkreisen:
'Schade, dass Herr Wiedenfeld, der ja immerhin an einer Uni arbeitet, sich für so etwas hergibt; sieht mir schwer nach Profilneurose aus ...'

Ergänzung vom 27.08.09:
Artikel und Leserbrief zu Rucola:

 
http://www.shz.de/dpa-nachrichten/article//supermaerkte-nehmen-rucola-aus-dem-angebot-1.html
 

Supermärkte nehmen Rucola aus dem Angebot

Mainz/Hannover (dpa) - Nach dem Fund von Giftpflanzen in einer Packung Rucola-Salat aus einem Supermarkt bei Hannover haben mehrere Lebensmittelketten deutschen Rucola-Salat aus ihrem Sortiment genommen.
Die Filialen von Kaiser's Tengelmann und die Edeka-Gruppe verkaufen bis auf weiteres keinen Rucola-Salat mehr, der aus deutschem Anbau stammt. Einen entsprechenden Bericht der ´Allgemeinen Zeitungª bestätigten die Unternehmen. Bei Rewe dagegen wird Rucola zunächst weiter verkauft. ´Wir haben ein sehr gutes Kontrollsystemª, sagte ein Sprecher in Köln.

Von der Reaktion der Lebensmittelketten sind vor allem die Salatanbauer in Rheinland-Pfalz betroffen. Der Großteil des deutschen Rucolas wird dort auf einer Fläche von rund 360 Hektar angebaut. Der Schwerpunkt liegt in der Pfalz.

Unterdessen haben Lebensmittelkontrolleure in Niedersachsen bisher keine weiteren Verunreinigungen aufgedeckt. In Städten und Landkreisen seien Packungen mit Rucola-Salat gekauft und untersucht worden, ohne dass dabei zunächst schädliche Kräuter entdeckt wurden, teilte das Agrarministerium in Hannover am 13. August mit. Ein Verbraucher hatte angegeben, in einer Packung Rucola-Salat Blätter des giftigen Gemeinen Greis- oder Kreuzkrautes (Senecio vulgaris) entdeckt zu haben. Die zur Edeka-Gruppe zählenden Supermarkt- Discounter Plus und Netto nahmen daraufhin vorsorglich Rucola bundesweit aus dem Sortiment.

´Wir werden bis auf weiteres auf den Handel mit Rucola verzichtenª, sagte Edeka-Sprecher Alexander Lüders. ´Wir gehen davon aus, dass bei den Verbrauchern die ein oder andere Verunsicherung herrscht. Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, um der Verunsicherung bei den Verbrauchern vorzubeugen.ª

 

http://www.shz.de/artikel/article//gefaehrliches-kraut-in-der-tuete.html

Gefährliches Kraut in der Tüte

13. August 2009 | Von dpa


Rucola-Salatblätter (l) und Blätter des Greis- oder Kreuzkrauts. Foto: dpa
Nach dem Nachweis von Giftkraut in Rucola-Salat schlägt ein Bonner Wissenschaftler Alarm: Gelangt das Kraut in Salat-Packungen, ist dies für Verbraucher gesundheitlich gefährlich. Das Heimtückische: Rucola und das Gemeine Kreuzkraut sehen ähnlich aus. "Die Blätter gleichen sich, so dass Laien im Prinzip keinen Unterschied zwischen Rucola und der Giftpflanze erkennen können", warnte Helmut Wiedenfeld vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn.

Beide Ackerpflanzen wachsen laut Wiedenfeld auf dem gleichen Boden und das Gemeine Kreuzkraut wird etwa auch so hoch wie die Rucola- Pflanze. "Das Gemeine Kreuzkraut ist quasi nicht auszumerzen, es sei denn man benutzt chemische Mittel", sagt der Wissenschaftler. "Aber bei Bio-Ware etwa geht das ja nicht." Auch in anderen Supermärkten neben Plus, die ihre Salat-Ware bundesweit aus dem Sortiment ziehen, seien vermutlich verdächtige Funde aufgetaucht, sagte Wiedenfeld. Deshalb müsse dringend überprüft werden, wie das Gemeine Kreuzkraut in die Rucola-Packung gekommen sei und ob sich das wiederholen könne. In einer 146 Gramm-Packung Rucola entdeckte Wiedenfeld nach eigenen Angaben 2608 Mikrogramm des Gifts Pyrrolozidin alkaloid. Dabei werde die vom Arzneimittelgesetz zulässige Tagesdosis um das 2600-fache überschritten.
 
 
----- Original Message -----
From: Ulrich G. Sander
To: leserbriefe@shz.de
Sent: Thursday, August 20, 2009 11:58 AM
Subject: Gefährliches Kraut in der Tüte - Husumer Nachrichten, 13.08.2009

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
mit Interesse, aber als Wissenschaftler auch mit Befremden, habe ich kürzlich während meines Urlaub in Nordfriesland in den Husumer Nachrichten Ihren Beitrag über das sogenannte "Giftkraut" gelesen.
Er beruft sich vorwiegend auf Information von Herrn Wiedenfeld von der Universität Bonn, der seit einigen Wochen eine Pressekampagne gegen Jakobskreuzkraut, Senecio jacobaea, und in Verbindung damit gegen Naturschutzgebiete und Biolandbau, aber für chemische Unkrautbekämpfungsmittel durchführt. Leider führen die gestreuten und darüber hinaus nie exakt belegten Informationen (angebliche Zunahme der Pflanze, Einzelfälle von Vergiftungen aus z.T. weit zurückreichenden Zeiträumen) zu Verwirrung und es stellt sich inzwischen die Frage, ob es sich um gezielte Panikmache handelt. Die Wahrscheinlichkeit einer Vergiftung und das konkrete Gefahrenpotential für die menschliche Gesundheit wird bedauerlicherweise nicht quantifiziert, d.h. weder exakt beziffert noch näher erläutert. In dem hier dargestellten Fall wurde angeblich das Gemeine Kreuzkraut (und nicht "Giftkraut"), Senecio vulgaris, gefunden. Die einheimische Wildpflanze ist durchaus giftig, aber keineswegs genießbar! Ob "die Blätter sich so gleichen, dass Laien im Prinzip keinen Unterschied zwischen Rucola und der Giftpflanze erkennen können", wie behauptet, sei einmal dahingestellt; es gibt da schon einige Unterschiede. Aber wer nicht geschmackstaub ist, wird schnell ein falsches Blatt im Rucola-Salat bemerken und keine Vergiftung zu befürchten haben. Dass der Handel nun Salatmischungen zurückruft, ist als Vorsichtsmaßmahme zwar löblich und öffentlichkeitswirksam, aber angesichts eines Einzelfalles und als Reaktion auf die lapidare Feststellung des Herrn Wiedenfeld, "auch in anderen Supermärkten seien vermutlich verdächtige Funde aufgetaucht" (!), als völlig unverständlich und ebenso "vermutlich" als übertrieben zu bezeichnen. Viel aufschlussreicher wäre es, zu klären, wie und warum die einzige bisher gefundene Rucola-Packung mit Kreuzkrautblättern ausgerechnet ihren Weg in das Pharmazeutische Institut der Universität Bonn zu dem Anti-Kreuzkraut-Experten Wiedenfeld gefunden hat.
Für eine Klarstellung in Ihrer Zeitung wäre ich im Interesse der Sache, aber auch im Sinne Ihrer verunsicherten Leserschaft dankbar.
 
Weitere differenzierte Informationen aus behördlicher Sicht bzw. von einem Fachinstitut:

http://www.dlr.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/ALL/0870996583217A1FC125761100373B17?OpenDocument

http://www.dlr.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/ALL/057DC13B95E94737C1257611004D04FF/$FILE/Kreuzkraut_in_Rucola.pdf
 
 
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Sander

 
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Ulrich G. Sander
- Diplom-Biologe -
Dollendorfer Allee 16
53227 Bonn
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Am 26.05.2009 von Diethelm Schneider verfasst.