Der Maiswurzelbohrer und die Gentechnik

Meist wird der Maiswurzelbohrer uns als Bedrohung präsentiert, die nur mittels Gentechnik aufzuhalten sei.
Nun zeigen Forschungen, dass urspr√ľnglicher Mais ganz ohne Gentechnik √ľber Mechanismen verf√ľgt, die Gegenspieler des Maiswurzelbohrers zu aktivieren und damit diese in Schach zu halten.

Unter 'Vermischtes' im aktuellen DGaaE-Heft (Jahrgang 23, Heft 2, 2009) findet sich folgender Beitrag:

Der Westliche Maiswurzelbohrer sorgt f√ľr massive Ernteausf√§lle in Norditalien

In der Lombardei, dem wichtigsten Maisanbaugebiet Italiens, hat der westliche Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera) bereits drei√üig Prozent der diesj√§hrigen Ernte vernichtet. Inzwischen ist der Sch√§dling auch in anderen europ√§ischen L√§ndern auf dem Vormarsch, unter anderem in Deutschland. Die Maisbauern ben√∂tigen in naher Zukunft geeignete Bek√§mpfungsstrategien. Erstmals deutet sich jetzt die M√∂glichkeit einer biologischen Bek√§mpfung des Maiswurzelbohrers mit Hilfe eines nat√ľrlichen Fra√üfeindes an.
 Diabrotica virgifera, ein K√§fer, z√§hlt zu den bedeutendsten Maissch√§dlingen. Er kommt urspr√ľnglich aus Mittelamerika, ist aber bereits seit einigen Jahrzehnten in den ausgedehnten Mais-Monokulturen Nordamerikas beheimatet. Dank moderner Transportmittel gelangte er in den neunziger Jahren auch nach Europa.
Zun√§chst breitete er sich in Osteuropa aus. Italien war das erste westeurop√§ische Land, in dem er gefunden wurde: 1998 in der N√§he des Flughafens von Venedig, 2000 in der N√§he eines Verladebahnhofs in der Lombardei. Es folgten weitere K√§ferfunde in Frankreich, Gro√übritannien, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und im Juli 2007 erstmals in Deutschland. √úberall, wo der K√§fer gefunden wurde, versuchte man ih durch das Einrichten von Quarant√§nezonen, den Einsatz von Insektiziden und die Einf√ľhrung der Fruchtfolge auszurotten. Seit Oktober 2003 beschloss die EU-Kommission dazu einen einheitlichen Katalog von Mindestma√ünahmen.
 Die Ausrottungsversuche waren unterschiedlich erfolgreich. W√§hrend etwa in Belgien und den Niederlanden eine Ausbreitung von Diabrotica verhindert werden konnte, wurde der Befall in der Lombardei erst erkannt, als er schon relativ weit fortgeschritten war. Deshalb kamen die Ma√ünahmen hier zu sp√§t. Neun Jahre nach dem ersten K√§ferfund werden von dort nun Ernteausf√§lle von rund einer Million Tonnen gemeldet, was nach Angaben der Agrarverb√§nde etwa drei√üig Prozent der diesj√§hrigen Produktion in der Po-Ebene bedeutet.
 In Deutschland wurde der K√§fer bislang nur in Bayern und Baden-W√ľrttemberg gefunden. Dort breitet er sich allerdings aus und das Ziel, ihn auszurotten, ist wahrscheinlich nicht mehr erreichbar. Fachleute gehen davon aus, dass die nat√ľrliche Ausbreitung des Maiswurzelbohrers sich in Europa nicht mehr aufhalten, sondern nur noch verz√∂gern l√§sst. Das bedeutet, dass der Maisanbau in naher Zukunft geeignete Bek√§mpfungsma√ünahmen ben√∂tigen wird.
Die Einf√ľhrung des Fruchtwechsels - es wird nicht mehr Mais auf Mais angebaut - kann allenfalls den Sch√§dlingsdruck mindern und die Ertragsausf√§lle reduzieren. Ein Teil der K√§fer-Eier √ľberlebt jedoch auch zwei Jahre im Boden oder wird an anderen Pflanzen abgelegt.
In den USA werden seit einigen Jahren gentechnisch veränderte Maissorten angebaut, die in ihren Wurzeln ein Bt-Protein bilden, das gezielt gegen den Diabrotica wirkt.
Eine neue M√∂glichkeit, den Maiswurzelbohrer zu bek√§mpfen, ist m√∂glicherweise der Einsatz eines nat√ľrlichen Fra√üfeindes - eines Fadenwurms, der die Larven des K√§fers bef√§llt. Die versuche dazu stehen aber noch am Anfang. Jetzt wurde herausgefunden, dass manche Maissorten einen Wirkstoff produzieren, der diese Fadenw√ľrmer anlockt. Bei den heutzutage angebauten Hochleistungssorten ist diese F√§higkeit im Laufe der Z√ľchtung verloren gegangen. Das Gen f√ľr den Wirkstoff kann durch konventionelle Z√ľchtung oder mithilfe gentechnischer Methoden wieder in das Genom der heute genutzten Maissorten eingebracht werden, wobei letzteres weniger Zeit in Anspruch nehmen w√ľrde. Eine Gruppe internationaler Forscher hat einen solchen gentechnisch ver√§nderten Mais jetzt getestet - mit durchaus vielversprechenden Ergebnissen.
   
    Quelle:
Bundesministerium f√ľr Bildung und Forschung (BMBF)
biosicherheit.de
bearb. J.H.
Wieder einmal zeigt sich, dass traditionell gez√ľchtete und √ľber Jahrhunderte angebaute Maissorten die besten Mechanismen besitzen, um mit ihrer Umwelt inklusive Fra√üfeinde zurechtzukommen.
Bei den auf Maschinen- und Spritzmitteleinsatz optimierten Hochleistungssorten sind viele dieser Eigenschaften verloren gegangen, weil sie vor√ľbergehend nicht gebraucht wurden.

Eine viel effizientere Strategie, Ernteausf√§lle zu vermeiden, als die Modifizierung der Hochleistungssorten ist die F√∂rderung der Kleinb√§uerlichen Landwirtschaft mit ihrer Sortenvielfalt. F√ľr Europa empfiehlt sich die Verwendung robuster traditioneller Kultursorten und ihre weitere z√ľchterische Bearbeitung f√ľr die jeweiligen lokalen Gegebenheiten. Das schafft und sichert Arbeitspl√§tze, sorgt f√ľr Nahrungsmittelsicherheit und verhindert einen Massenbefall mit Sch√§dligen, der f√ľr einen weltweiten Einsatz einiger weniger einheitlicher Sorten absehbar nur eine Frage der Zeit ist.

Am 06.10.2009 von Diethelm Schneider verfasst.