EU-Beh├Ârde erkl├Ąrt drei Gifte zur Gefahr f├╝r Bienen

Drei Insektizide sind eine Gefahr f├╝r Bienen - davor hat die EU-Beh├Ârde f├╝r Lebensmittelsicherheit jetzt gewarnt. Kritiker fordern ein sofortiges Verbot der Substanzen. Die Hersteller aber halten sie f├╝r sicher.

Wie SPIEGELONLINE berichtet, ist nun also auch die Europ├Ąische Beh├Ârde f├╝r Lebensmittelsicherheit (Efsa) auf den Trichter gekommen, dass Neonicotinoide f├╝r Bienen giftig sind. Warum das so lange gedauert hat, ist nicht logisch erkl├Ąrbar, denn schlie├člich wusste das US-amerikanische Umweltamt EPA schon vor ├╝ber 9 Jahren, dass z.B. Clothianidin hochtoxisch f├╝r Bienen ist:

"Clothianidin is highly toxic to honey bees on an acute contact basis (LD50 > 0.0439 μg/bee). It has the potential for toxic chronic exposure to honey bees, as well as other nontarget pollinators, through the translocation of clothianidin residues in nectar and pollen. In honey bees, the effects of this toxic chronic exposure may include lethal and/or sub-lethal effects in the larvae and reproductive effects in the queen."
(EPA Pesticide Fact Sheet Clothianidin 2003)

Offensichtlich muss erst ├Âffentlicher Druck dazukommen, bevor die EFSA zu Ergebnissen kommt, die nicht den W├╝nschen der Agroindustrie entsprechen.

Hier der Artikel aus SPIEGELONLINE:

16. Januar 2013, 18:05 Uhr

Insektizide

EU-Beh├Ârde erkl├Ąrt drei Gifte zur Gefahr f├╝r Bienen

Drei Insektizide sind eine Gefahr f├╝r Bienen - davor hat die EU-Beh├Ârde f├╝r Lebensmittelsicherheit jetzt gewarnt. Kritiker fordern ein sofortiges Verbot der Substanzen. Die Hersteller aber halten sie f├╝r sicher.

Die Europ├Ąische Beh├Ârde f├╝r Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat vor den Gefahren f├╝r Bienen durch drei Insektizide gewarnt. Eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Untersuchung habe eine Reihe von Risiken gezeigt, teilte die Beh├Ârde am Mittwoch mit. Dabei ging es um Insektizide der Unternehmen Bayer und Syngenta, die zu der Gruppe der hochwirksamen Neonikotinoide geh├Âren.

Die umstrittenen Neonikotinoide werden seit l├Ąngerer Zeit mit Vergiftungen und dem Massensterben von Bienen in Verbindung gebracht. Die Efsa-Experten erhielten daher von der Kommission den Auftrag, die Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zu untersuchen. Dadurch sollten Fragen gekl├Ąrt werden zu den kurz- und langfristigen Folgen auch nicht t├Âdlicher Mengen f├╝r Bienenv├Âlker und Larven sowie zu den Auswirkungen auf das Verhalten der Tiere. Kritiker warnen, dass die Chemikalien den Orientierungssinn der Bienen st├Âren k├Ânnen, so dass sie nicht mehr in ihre Bienenst├Âcke zur├╝ckfinden.

"Die Efsa-Wissenschaftler haben etliche Risiken f├╝r Bienen durch (die) drei Neonicotinoid-Insektizide ermittelt", teilt die Beh├Ârde mit. Die Wissenschaftler riefen dazu auf, auch das Risiko f├╝r andere Best├Ąuber als Honigbienen genauer zu untersuchen. Allerdings konnte die Efsa nach eigenen Angaben nicht alle Analysen endg├╝ltig abschlie├čen, da noch Daten fehlten.

Kommissionssprecher deutet Verbot an

Ein Sprecher von EU-Gesundheits- und Verbraucherschutzkommissar Tonio Borg sprach von "ziemlich beunruhigenden Schlussfolgerungen" ├╝ber die Auswirkungen dieser Produkte auf Nektar, Pollen und aus Pflanzen austretendes Wasser, die von Bienen aufgenommen oder in den Bienenstock getragen werden. Er wies allerdings ebenfalls darauf hin, dass es noch Datenl├╝cken gebe.

Die EU-Kommission will nun Bayer und Syngenta schriftlich zu einer Stellungnahme auffordern und das Thema Ende Januar mit den EU-L├Ąndern diskutieren. Der Kommissionssprecher deutete ein m├Âgliches Verbot an: Wenn es bewiesenerma├čen ein Problem mit diesen Produkten gebe, "wird die Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten die notwendigen Ma├čnahmen ergreifen".

Bayer CropScience wies in einer Erkl├Ąrung darauf hin, dass "schlechte Bienengesundheit und die Verluste von Bienenv├Âlkern durch eine Vielzahl von Faktoren" wie etwa Milben bedingt seien. Daher m├╝sse auch "jegliche politische Entscheidung" ├╝ber die Zulassung von Neonikotinoid-Produkten "auf eindeutigen wissenschaftlichen Nachweisen" basieren. Das Unternehmen erkl├Ąrte sich zur Zusammenarbeit mit der EU bereit, um die von der Efsa bem├Ąngelten Datenl├╝cken zu schlie├čen.

Das europ├Ąische Anti-Pestizid-Netzwerk Pan Europe forderte Gesundheitskommissar Borg hingegen auf, als Reaktion auf die Untersuchung den Mitgliedstaaten umgehend ein Verbot der Stoffe vorzuschlagen. Ansonsten erw├Ąge PAN Europe, f├╝r ein komplettes Verbot von Neonikotinoide vor Gericht zu ziehen.

Der europ├Ąische Verband der Pflanzenschutzindustrie (ECPA) kritisierte, Efsa habe weder alle verf├╝gbaren wissenschaftlichen Untersuchungen noch die Ma├čnahmen zu einem sicheren Einsatz von Neonikotinoide n in Betracht gezogen. Daher stelle der Bericht den sicheren Einsatz der Stoffe nicht infrage. Ein Verbot aufgrund m├Âglicher Risiken werde Bienen nicht sch├╝tzen, sondern "einen enormen Schaden f├╝r Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung in Europa" anrichten.

mbe/AFP/dpa

Vergleichen Sie dazu auch unseren Beitrag von 2007 zum Bienensterben:

Pl├Âtzlich in aller Munde: Das R├Ątselhafte Verschwinden von Honigbienen

Am 02.02.2013 von Diethelm Schneider verfasst.