Neue Superschädlinge auf dem Acker?

Die Auswirkungen des Anbaus von Gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO/GMO) haben wir hier schon mehrfach thematisiert.
Nach einer Pressemitteilung von Testbiotech kommt jetzt möglicherweise noch ein weiterer Effekt dazu:

Neue Superschädlinge auf dem Acker?

Anbau von neuem 'Gen-Mais' in der EU könnte Probleme bereiten

M√ľnchen/Br√ľssel. 26.3. 2012. Testbiotech ver√∂ffentlicht heute ein Dossier mit √ľberraschenden Details zum Anbau des gentechnisch ver√§nderten Mais MON88017, der ein Gift gegen Insekten produziert. Wie eine aktuelle Laboruntersuchung aus den USA zeigt, k√∂nnte dieser Mais dazu beitragen, die Ausbreitung von Fra√üinsekten zu beschleunigen. Nach den Versuchsergebnissen entwickelt der sogenannte Maiswurzelbohrer nicht nur eine Resistenz gegen das Gift des gentechnisch ver√§nderten Mais, sondern er kann gleichzeitig die Entwicklung seiner Larven beschleunigen und mehr Nachkommen produzieren. Dies w√ľrde dazu f√ľhren, dass sich der von Landwirten gef√ľrchtete Sch√§dling noch schneller auf den Feldern ausbreitet.
Die neuen Forschungsergebnisse, die unter anderem von Wissenschaftlern des US-Landwirtschaftsministeriums stammen, passen zu weiteren Untersuchungen aus den USA. Diese belegen tats√§chlich die Ausbreitung von giftresistenten Wurzelbohrern in Regionen, in denen der gentechnisch ver√§nderte Mais angebaut wird. Derzeit wird dar√ľber beraten, ob der Mais MON88017 auch in der EU angebaut werden darf. Der US-Konzern Monsanto hat eine Genehmigung f√ľr den Anbau beantragt und die Europ√§ische Lebensmittelbeh√∂rde EFSA hat den Mais im Jahr 2011 bereits f√ľr unbedenklich erkl√§rt.
"Die aktuelle Ver√∂ffentlichung aus den USA zeigt eine neue Dimension bei der Entwicklung resistenter Fra√üinsekten. Es ist bereits bekannt, dass sich der Wurzelbohrer an den Anbau von insektengiftigem Mais anpassen kann. Jetzt sieht es aber danach aus, als ob die angepassten Sch√§dlinge gleichzeitig eine h√∂here Fitness aufweisen und sich so noch rascher ausbreiten k√∂nnen. Wir raten dringend davon ab, diesen Mais f√ľr den Anbau zuzulassen", sagt Christoph Then von Testbiotech.
Die Anpassung der Schadinsekten ist nicht das einzige Problem. Dieser Mais produziert nicht nur ein Insektengift, sondern widersteht zudem dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat (bekannt als Roundup). W√ľrde dieser Mais in der EU zugelassen, w√§re er auch die erste kommerziell angebaute gentechnisch ver√§nderte Pflanze in Europa, die gegen das Spritzmittel resistent ist. Aktuelle Untersuchungen aus den USA zeigen, dass der gro√üfl√§chige Anbau von herbizidresistenten Pflanzen eine wesentliche Ursache f√ľr den R√ľckgang der Population des Monarchfalters ist. Durch den Anbau von gentechnisch ver√§nderter Mais und Soja werden auch die Pflanzen reduziert, die die Raupen des Falters als Futter ben√∂tigen.
Zudem haben sich in den letzten Jahren immer mehr Unkr√§uter an die beim Anbau eingesetzten Gifte angepasst. Dadurch muss heute sehr viel mehr Glyphosat gespritzt werden als vor zehn Jahren. Das bedeutet auch h√∂here Belastungen f√ľr Mensch und Umwelt. Trotzdem hat die EFSA keine aktuellen Daten √ľber die H√∂he der Belastung mit Glyphosatr√ľckst√§nden der Pflanzen verlangt.
Derzeit stehen verschiedene neue gentechnisch ver√§nderte Maispflanzen vor einer m√∂glichen Anbauzulassung in der EU. Die EFSA hat neben MON88017 auch den insektengiftigen Mais Bt11 der Firma Syngenta, den Mais 1507 (ebenfalls insektengiftig) der Firma Dupont/Pioneer sowie GA21 von Syngenta und NK603 von Monsanto (beiden sind unempfindlich gegen√ľber Glyphosat ) als unbedenklich eingestuft. Es wird erwartet, dass die Mitgliedsl√§nder in den n√§chsten Wochen auch erneut √ľber den Anbau des insektengiftigen MON810-Mais abstimmen werden.

Kontakt: Christoph Then, Testbiotech, info@testbiotech.org, Tel 015154638040

Link zum Dossier von Testbiotech: http://www.testbiotech.de/node/639

Neue Studie aus den USA: Oswald, K. J., French, B.W., Nielson, C., Bagley, M. (2012) Assessment of fitness costs in Cry3Bb1-resistant and susceptible western corn rootworm (Coleoptera: Chrysomelidae) laboratory colonies. Journal of Applied Entomology, DOI: 10.1111/j.1439-0418.2012.01704.x
Lesen Sie dazu auch folgende Beiträge:

Gentechnisch veränderter Mais fördert Ausbreitung von Schädlingen

Der Maiswurzelbohrer und die Gentechnik

Am 11.04.2012 von Diethelm Schneider verfasst.