Dient Holznutzung dem Klimaschutz?

Weit verbreitet und meist unwidersprochen ist die Aussage, dass Holznutzung dem Klimaschutz dient. Begr├╝ndung: Durch die Nutzung als z.B. Bauholz werde CO2 gebunden, w├Ąhrend ein nicht genutzter Baum wieder zu CO2 zerfalle.

Stimmt das?

W├╝rde diese Annahme zutreffen, dann m├╝sste ein abgestorbener Baum oder ein Baumstamm mit Luftsauerstoff spontan zu CO₂ und Wasser zerfallen. Da die Reaktion Energie liefert, m├╝sste ein einmal begonnener Prozess durch die so verf├╝gbare Aktivierungsenergie wie eine Wunderkerze in einem spontanen Prozess verbrennen.

Tats├Ąchlich aber beobachten wir keine solchen Feuerwerke. Vielmehr k├Ânnen Baumst├Ąmme relativ lange unzersetzt stehen oder liegen bleiben.

Der Grund ist, dass Holz - nicht zuletzt aufgrund seiner Kompaktheit, wodurch es f├╝r Sauerstoff als Reaktionspartner schlecht zug├Ąnglich ist - reaktionstr├Ąge ist. Spontane Verbrennungen erhalten wir wie bei anderen Festk├Ârpern wie Metallen nur, wenn wir Oberfl├Ąchenenergie hinzuf├╝gen, indem wir die Stoffe staubfein zermahlen. Dann ist sogar Aluminium selbstentz├╝ndlich, Staubexplosionen von Holzstaub, Mehl oder Kohlenstaub sind durchaus bekannte Ph├Ąnomene.

Was passiert mit einem toten Baum wirklich?

Zun├Ąchst besiedeln Pilzsporen den Baum. Die anfangs von au├čen unsichtbaren Pilze entwickeln sich im Holz, wobei sie entweder das Lignin oder die Zellulose als Rohstoff nutzen.

An dieser Stelle kommt ein Grundgesetz der Chemie zum Zuge: Das Gesetz von der Konstanz der Massen. Betrachten wir die Massen der bei einer chemischen Reaktion beteiligten Stoffe, so ist die Gesamtmasse konstant:

(Lies: Summe der Masse der Endprodukte minus Summe der Masse  der Ausgangsprodukte ist gleich ├änderung der Gesamtmasse ist gleich Null)

Wenn die Pilze wachsen, nutzen sie f├╝r den Aufbau der eigenen K├Ârpersubstanz die im Holz verf├╝gbare organische Masse. Nur ein kleiner Teil wird f├╝r die Energieproduktion zu CO₂ veratmet.

Vom Totholz und insbesondere den darin siedelnden Pilzen wiederum leben holzbewohnende Insekten, vor allem K├Ąfer bzw. deren Larven. Auch diese nutzen ein Gro├čteil der von ihnen nutzbaren Masse, um ihre eigene K├Ârpersubstanz aufzubauen. Auch hier wird nur ein kleiner Teil f├╝r die Energieproduktion zu CO₂ veratmet!

Die holzbewohnenden (pilzfressenden) Insekten werden wiederum von anderen Insekten gejagt und gefressen, die wiederum von anderen Insekten gejagt und gefressen werden usw. usf. Verdauungsreste und von Pilzen zersetzte tote Insekten werden von Bodenlebewesen genutzt und schlie├člich als organische Bestandteile via Regenwurmkot im Boden fixiert.
Ein weiterer Weg der Nahrungskette f├╝hrt ├╝ber insektenfressende V├Âgel, die wiederum von anderen (fleischfressenden) V├Âgeln oder S├Ąugetieren gefressen werden. Auch hier landet ein Gro├čteil ├╝ber die Verdauung und Bodenlebewesen als organischer Bestandteil im Humus.

Wir sehen also: Ein Gro├čteil des ├╝ber die Photosynthese im Baum festgelegten CO₂ wird ├╝ber eine vielf├Ąltige Nahrungskette im Umlauf gehalten und schlussendlich ├╝ber Regenw├╝rmer und andere Bodenlebewesen im Boden fixiert. Nur ein kleiner Teil wird f├╝r die jeweilige Energieproduktion veratmet.

Wichtig:
Je vielf├Ąltiger die Nutzung in der jeweiligen Stufe der Nahrungskette ist, desto l├Ąnger bleibt die organische Masse (CO₂) im Umlauf!
Biologische Vielfalt wirkt also als Massespeicher f├╝r CO₂! Erst mit der Vernichtung der Biologischen Vielfalt verringert sich dieser Massespeicher bzw. entf├Ąllt.

Schutz der Biologischen Vielfalt ist daher Klimaschutz!

Ersatz biologisch vielf├Ąltiger, artenreicher Fl├Ąchen durch Palm├Âl-Plantagen oder Felder zur Agrosprit-Produktion ist daher ├Âkologischer Wahnsinn! Das gilt sogar au├čerhalb des Waldes, denn die Biologische Vielfalt als Massespeicher entf├Ąllt und die produzierte Pflanzenmasse wird sehr schnell einer Verbrennung - also CO₂-Produktion - zugef├╝hrt.

Aus dem Dargestellten wird aber auch klar, warum die industrielle Landwirtschaft ein Hauptverursacher des Klimawandels ist: Neben dem enormen Prim├Ąrenergie-Verbrauch (CO₂-Produktion!) f├╝r D├╝nger und Pestizide wird die Artenvielfalt vernichtet und f├Ąllt als Massespeicher aus, durch die Sch├Ądigung der Bodenlebewesen wird auch die Festlegung organischer Materie im Boden (CO₂-Speicherung) verhindert.

Am 22.02.2009 von Diethelm Schneider verfasst.